INTAKT RECORDS, seit 1984

Die Geschichte von Intakt Records

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"First Meeting" heisst das erste Stück der ersten Platte von Intakt Records, aufgenommen am 5. Februar 1984 am ersten Taktlos Festival in der Roten Fabrik in Zürich. Ein Duo von Irène Schweizer - George Lewis eröffnet die erste Intakt-Platte «Irène Schweizer Live at Taktlos». Die Schallplatte erscheint 1986 und wird zu einem kleinen Verkaufserfolg. Ohne internationales Vertriebsnetz gehen gegen 2000 Exemplare weg.

 

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Als Mini-Label, das in den ersten Jahren in Deutschland keinen Vertrieb findet, erhält Intakt Records 1988 den wichtigsten deutschen Schallplattenpreis, den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik, für die Platte von Irène Schweizer, George Lewis, Maggie Nicols, Joëlle Léandre, Günter Baby Sommer mit dem Titel «The Storming of the Winter Palace».

 

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Ende 1986 bekommt Intakt Records eine juristische Form. Der Verein mit nichtkommerziellem Zweck hat den Auftrag, zeitgenössische Jazzmusik im Grenzbereich von Improvisation, Komposition zu dokumentieren. Heute wird die operative Arbeit im Intakt-Büro von Patrik Landolt und Anja Illmaier geleistet. Die Vorstandsmitglieder Rosmarie A. Meier, Lucas Niggli und Irène Schweizer stehen beratend zur Seite. Für Grafik und Design ist der Zürcher Typograf Jonas Schoder im Auftragsverhältnis zuständig. Buchhaltung, IT, Versand- und Werbearbeiten werden von Teilzeitstellen geleistet: von Gabrielle Favre, Georg Bauer, Maggie Steiner.

 

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Am Taktlos 1986 kommt es zur Begegnung des London Jazz Composers Orchestra mit dem amerikanischen Saxofonisten Anthony Braxton. Braxtons Auftragskomposition fürs London Jazz Composers Orchestra erscheint als Doppelalbum bei Intakt Records (Intakt CD 005). Diese Platte positioniert Intakt Records in der internationalen Jazzwelt. Die Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Bassisten Barry Guy, dem Grenzgänger zwischen Barocker Musik und Jazzimprovisation hält bis heute an.

 

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Neun Jahre dauert es, bis die fünf Piano-Drums-Duo-CDs von Irène Schweizer mit den Schlagzeugern Louis Moholo, Günter Sommer, Andrew Cyrille, Pierre Favre, Han Bennink aufgenommen sind. Die fünf CDs gehören zu den wichtigsten Aufnahmen von Irène Schweizer.

 

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Der Formatwechsel von der Platte zur CD fällt nicht leicht. Die kleinere CD schränkt Möglichkeiten origineller visueller Präsentation ein. Die erste CD erscheint 1990 und ist eine Studioaufnahme von Barry Guys Komposition «Harmos» mit dem London Jazz Composers Orchestra. «Harmos» gilt heute als Klassiker der modernen Jazzbigband-Musik. Zwischen Barry Guy und Intakt Records entwickelt sich eine intensive Zusammenarbeit, getragen von Freundschaft. Zehn CDs dokumentieren Barry Guys Arbeiten mit dem London Jazz Composers Orchestra, drei CDs mit dem Barry Guy New Orchestra.

 

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1993 Intakt Records kuratiert Intakt Records eine fünftägige Labelpräsentation im Jazzclub Moods. Intakt Records startet im Rahmen dieser Moods-Woche die Aktion «Intakt abonnieren». Die regelmässigen Direktverkäufe an die AbonnentInnen werden für Intakt Records zur wichtigsten ökonomischen Stütze.

 

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Wenige Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer beginnt Intakt Records 1994 eine bis heute dauernde Zusammenarbeit mit den vier grossen Persönlichkeiten des ostdeutschen Jazz, den Musikern Conrad Bauer, Uli Gumpert, Ernst-Ludwig Petrowsky und Günter Baby Sommer. 1973 trat unter dem Namen Synopsis am Jazz Jamboree in Warschau eine Band auf, die sich im Laufe der Jahre zu einer der bedeutendsten Bands des europäischen Jazz entwickelte. Unter dem neuen Namen Zentralquartett - als ironische Anspielung auf das Zentralkomitee gemeint - veröffentichten Ernst-Ludwig Petrowsky, Conrad Bauer, Uli Gumpert und Günter Baby Sommer vier CDs auf Intakt Records. Die 1974 bei FMP veröffentichte Platte «Auf der Elbe schwimmt ein rosa Krokodil» ist ebenfalls als CD bei Intakt wieder neu aufgelegt.

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«Jeder CD ihr eigenes Gesicht», lautet das visuelle Motto von Intakt Records als Gegenposition zu den Vorstellungen von «visuellem Branding» oder «visueller Corporate Identity». Die Musik jeder CD ist so einzigartig, dass ihre Singularität auch bei der visuellen Präsentation ausgedrückt werden soll. Einige hervorragende Grafiker, allesamt ausgewiesene Kenner der Musik, arbeiten seit vielen Jahren regelmässig für Intakt Records: Die ersten Platten und CDs gestaltet Ruedi Wyss, Dozent an der Zürcher Hochschule für Gestaltung und Kunst sowie Veranstalter des Taktlos Bern und von Ton Art. Viele Jahren prägte der Zürcher Grafiker, Jazzkenner und passionierte Konzertbesucher Eugen Bisig das Erscheinungsbild. Seit fünf Jahren bereichert der typografische Gestalter Jonas Schoder, Mitglied der Zürcher Musikerorganisation OHR, das Intakt-Design. Viele international bekannte KünstlerInnen steuern Bilder für Intakt-Covers bei. Zu erwähnen ist Pipilotti Rist, die Covers für zwei CDs von Saadet Türköz liefert. Fischli-Weiss gestalten die Produktionen von Stephan Wittwer. A. R. Penck präsentiert die Solo-CD von Günter Sommer. Max Bill und Gottfried Honegger stellen Arbeiten für CDs von Barry Guy zur Verfügung. Rosina Kuhn macht eine ganze Reihe Titelbilder für Les Diaboliques und Irène Schweizer. Weitere Covers stammen von Jörg Lenzlinger/Gerda Steiner, Andrea Alteneder, Eliane Binggeli, Luigi Archetti, Federica Gärtner, Peter Frey, Malene Bach, Christine Reifenberger, Amy Syllman, Christoph Hauri, Katja Mahall, Root Leeb, Heike Lyss, Oliver Lake, Han Bennink, Niklaus Troxler, Strawalde, Roman Signer u.a.

 

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Intakt-CDs sind auch Fotogalerien. Die Kunst der Musikfotografie kennt eine lange Geschichte. Die Zürcher Fotografin Francesca Pfeffer prägt mit ihrem Blick die Darstellung vieler MusikerInnen. Aber auch FotografInnen wie Silvia Luckner, Dany Gignoux, Marcel Meier, Dominik Huber, Caroline Forbes arbeiten immer wieder für Intakt Records.

 

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Kann man über Musik schreiben? Die Reflexion über Musik hat hierzulande wenig Tradition. Kaum eine Zeitung hält sich einen professionellen Musikkritiker. Aber ohne regelmässige Verortung, ohne kontinuierliches Innehalten und Nachdenken wird jede Tätigkeit zum Steinerollen des Sisyphus. Intakt Records versucht seit Beginn, die Musik mit ausführlichen Booklet-Texten zu begleiten. Diese sollen dazu anzuregen, Musik anders zu hören oder vielleicht auch besser zu verstehen. In den CD-Booklets finden sich Texte internationaler Grössen wie Bert Noglik (Leipzig), Gary Giddins (New York, «Village Voice»), John Corbett (Chicago, «Downbeat»), Kevin Whitehead (NPR), Marcus Maida («Jazzthetik»), Christoph Wagner («Jazzthethik», «Jazzpodium»), Christian Broecking («Berliner Zeitung», «Jazzthing») sowie von den Schweizer JournalistInnen Christian Rentsch, Manfred Papst, Peter Rüedi, Frank von Niederhäusern, Nick Liebmann, Meinrad Buholzer, Pirmin Bossart, Lislot Frei oder von SchriftstellerInnen wie Peter Weber, Ruth Schweikert, Isolde Schaad, Reto Hänny, Michael Wüstefeld, Ilma Rakusa. Die Vermittlungsarbeit von Intakt Records findet auch über den Musikverlag hinaus Gehör. Patrik Landolt wird vom Jazzfestival Schaffhausen eingeladen, während dreier Jahre ein Diskussionsforum zu kuratieren. Aus dem Experiment entwickeln sich die Schaffhauser Jazzgespräche.

 

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Während eines längeren Aufenthalts von Patrik Landolt auf der wohl entlegensten Insel Griechenlands (Fourni) klingelt das Telefon. Der Schlagzeuger Pierre Favre meldet sich. Er sucht einen Verleger für seine neuen Projekte. Wie Pierre Favre zur Telefonnummer der Inselwohnung kam, bleibt sein Geheimnis. Pierre Favre ist der Klangfarbenmaler unter den Jazzschlagzeugern, der die Perkussion in ein klangrhythmisches Universum führt. Acht auf Intakt Records veröffentlichte CDs zeigen die Kreativität von Pierre Favre's Schaffen: Von den jazzorientierten Duo-Platten mit Irène Schweizer bis hin zu seinen komponierten kammermusikalischen Meisterwerken. 2012 erscheinen Pierre Favre's historisch bedeutenden Solo-Werke aus den siebziger Jahren in einer 3er-Box mit dem Titel «Drums & Dramas» (Intakt CD 197)

 

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Der Schlagzeuger Lucas Niggli aus Uster (ZH) und die Lausanner Pianistin Sylvie Courvoisier treffen sich 1999 im Radiostudio DRS für Duo-Aufnahmen. Aus dieser ersten Begegnung entstehen langjährige Arbeitsbeziehungen sowohl mit Lucas Niggli als auch mit Sylvie Courvoisier. Lucas Niggli spielt mehrere CDs mit seiner Gruppe Zoom ein und wird einer der wichtigen Musiker bei Intakt Records. Es folgen Aufnahmen mit seinem Schlagzeug-Quartett, mit Xu Fengxia, Barry Guy, Jacques Demierre, Elliott Starb, dem Hexentrio und dem erfolgreichen Trio Biondini-Godard-Niggli.
Sylvie Courvoisier lebt heute in New York. Mit ihren Projekten mit mehrheitlich amerikanischen Musikern, mit ihrem Duo mit Mark Feldman oder dem Courvoisier-Feldman-Quartet zählt sie heute zu den zentralen Persönlichkeit im Intakt Repertoir.

 

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Am 9. September 2001 fliegt Patrik Landolt nach New York, um mit dem Pianisten Cecil Taylor einen Vertrag für die Veröffentlichung des Live-Mitschnitts des hervorragenden Solo-Konzertes vom Jazzfestival Willisau zu unterzeichnen. Am 10. September findet in Brooklyn das Gespräch mit dem Pianisten und die Vertragsbereinigung statt. Für den Morgen des 11. Septembers verabredet sich Patrik Landolt mit dem Gitarristen Elliott Sharp im New Yorker East Village. Die beiden werden Zeuge der Attacke auf das World Trade Center und des Einsturzes der Twin Towers.

 

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Nach mehrjähriger Spielpause findet das Globe Unity Orchestra des Berliner Pianisten Alexander von Schlippenbach, in Aachen zusammen zu einem Konzert. Der Radiomitschnitt ist so gut, dass Intakt Records diesen Neuanfang des Orchesters 2003 auf CD dokumentiert. Zwei Jahre später veröffentlicht Alexander von Schlippenbach zusammen mit Berliner Musikern die 3er-CD-Box «Monk's Casino. The Complete Works of Thelonious Monk». «Monk's Casino» wird in Jahresfrist zur bestverkauften CD von Intakt Records. Alexander von Schlippenbach veröffentlichte seit 2003 einige seiner bedeutenden Werke bei Intakt Records. Um Alexander von Schlippenbach gruppieren sich auch jüngere Berliner Jazzmusiker sowie die in Berlin lebende Pianistin Aki Takase zu einem Berlin Schwerpunkt von Intakt Records. Aki Takase spielt eine Duo-Reihe mit Lauren Newton, Silke Eberhard, Alexander von Schlippenbach, Rudi Mahall, Louis Sclavis und Han Bennink ein, eine Ellington Hommage und eine Quartett-Platte mit Sclavis-Piffarély-Courtois.

 

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Die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia anerkennt 2006 und 2009 die Arbeit von Intakt Records mit der Verleihung der Labelprämie. Intakt Records nutzt das Prämiengeld, um Zeit und Energie in die Professionalisierung des Labels sowie den Ausbau des Vertriebsnetzes zu stecken.

 

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Koch-Schütz-Studer spielen dreissig Tage, jeden Abend zwei Sets, immer zur selben Zeit, immer am gleichen Ort in der Schlosserei von Walter Nenniger in Zürich. Drei Tüftler spielen und lassen das Publikum sehr nahe daran teilhaben, wie sie Musik erfinden, «das Gestern übers Heute sich mit dem Morgen verbindend, dass gerade deshalb jedes Konzert das beste ist, jeder Abend, jedes Set sich aus dem Nichts entwickelnd anders wird», wie der Schriftsteller Reto Hänny schreibt. Der Filmer Peter Liechti filmt die Konzerte. Sein Film sowie eine auf CD-Länge kondensierte Live-Fassung sind bei Intakt Records erhältlich. Insgesamt veröffentlichten Koch-Schütz-Studer sieben CDs bei Intakt.

 

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Die aktive Zürcher Jazzszene findet seit Jahren bei Intakt Recods eine Heimat. Irène Schweizer engagiert sich Mitte der 90er-Jahre verstärkt in der MusikerInnen-Organisation OHR, spielt regelmässig mit der Zürcher Saxofonistin Co Streiff, später mit dem Saxofonisten Omri Ziegel und Jürg Wickihalder. Beide Duos veröffentlichen auf Intakt Records eine CD. Intakt Reecords veranstaltet seit 2003 zusammen mit OHR das Festival Unerhört, um dem Zürcher Jazzschaffen eine internationale Bühne zu verschaffen. Das Unerhört wächst zu einem siebentätigen Festival, das auf mehr als zehn Zürcher Bühnen stattfindet: Museum Rietberg, Jazz im Seefeld - GZ Riesbach, Musikklub Mehrspur, Museum Haus Konstruktiv, Rote Fabrik/Clubraum, Theater Neumarkt, Moods im Schiffbau, Exil, Altersheime Bürgerasyl-Pfrundhaus, Gymnasien der Stadt Zürich. Intakt-Büro wird während mehrerer Monate auch als Festival-Büro benutzt. Die Veranstaltertätigkeit wirkt auch auf den Katalog von Intakt zurück: Zürichs lebendige Jazzszene wird breit bei Intakt Records dokumentiert: Omri Ziegele Billiger Bauer, Co Streiff Sextett, Objets trouvés (Friedli, Streiff, Schlegel, Ulrich), Jürg Wickihalder-Chris Wiesendanger Duo, Pierre Favre, Lucas Niggli, Michael Jaeger, Christoph Irniger u.a.

 

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Der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber gibt 2004 bei Intakt Records eine Doppel-CD über die Jazzstadt Zürich in Auftrag. Zusammen mit dem Jazzkritiker der Neuen Zürcher Zeitung Nick Liebmann wählt Patrik Landolt 32 Stücktitel aus. Das Doppelalbum zeigt, wie vielseitig die Jazzstadt Zürich ist.

 

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Irène Schweizer spielt am 8. Oktober 2005 im KKL Luzern ein Solo-Konzert. «Jazz statt Klassik». Die Kooperation von KKL (Elisabeth Dalucas), Intakt Records, RECK Filmproductions und Radio DRS 2 legt den Boden für einen Grosserfolg. Mehr als 1500 BesucherInnen kommen ins KKL. Das Publikum feiert die Pianistin mit stehenden Ovationen. «Die beste Jazzpianistin Europas im besten Konzertsaal der Welt», schreibt «Die Zeit». Das Konzert wird von Radio DRS 2 live übertragen. Eine CD mit dem Titel «Irène Schweizer. First Choice. Concert KKL Luzern» dokumentiert das Konzert. Vor dem Konzert findet im KKL die Premiere des Filmporträts «Irène Schweizer» von Gitta Gsell statt. Sechs Jahre später, am 11. April 2011, dem Zürcher Sechseläute-Montag, tritt Irène Schweizer solo in der Tonhalle Zürich auf. Ihr Geburtstagskonzert wird zum Zürcher Jazzereignis: Ausverkauftes Haus, immense Medienberichterstattung in der Tagespresse, selbst in der Tagesschau des Schweizer Fernsehen, ein hervorragendes Konzert. Der Livemitschnitt von DRS 2 erscheinen unter dem Titel «To Whom It May Concern» als zweihundertste Intakt-CD.

 

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Intakt Records situiert sich in der internationalen Jazzszene. Immer mehr internationale Jazzgrössen bieten Intakt Records eine Zusammenarbeit an. Im Sommer 2009 findet im legendären New Yorker Jazzclub Birdland eine Intakt-CD-Vernissage einer CD mit vier Grössen des amerikanischen Jazz statt: Oliver Lake, Reggie Workman, Andrew Cyrille und Geri Allen. Dieser CD folgen zwei Studioaufnahmen des Trio 3 mit den amerikanischen Pianisten Jason Moran und Vijay Iyer sowie einer Duo-Aufnahme von Olvier Lake und William Parker. Die Berliner Pianistin Aki Takase geht mit dem französischen Star-Klarinettisten Louis Sclavis ins Studio. Der Gitarrist Fred Frith, eine der innovativsten Persönlichkeiten der grenzüberschreitenden Musik zwischen Jazz, Improvisation und experimenteller Rockmusik, beginnt eine Zusammenarbeit mit Intakt Records und veröffentlicht neben mehreren experimentellen Projekten – u. a. zwei CDs mit dem Arte Saxophone Quartett – mit seiner neuen Band Cosa Brava zwei Meisterwerke, die aus dem heutigen Musikkosmos von Songs, Rock, Folk und Improvisation schöpfen. Mit der jungen deutschen Saxophonistin Ingrid Laubrock, die von London nach Brooklyn umgezogen ist, beginnt eine spannende Zusammenarbeit mit Veröffentichungen ihres Trios Sleepthief, ihrem Quintett Antihouse sowie dem Ingrid Laubrock Octet. Weitere Projekte mit MusikerInnen aus der aktuellen Brooklyn Szene folgen: Stephan Crump-Steve Lehman, Stephan Crump-Mary Halvorson, Tom Reiney Trio, Tom Rainey Obligato mit Ralph Alessi u.a.

 

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Der Schriftsteller Rafik Schami und Patrik Landolt gründen eine Reihe für den Dialog zwischen Wort und Klang, zwei künstlerisch verwandten Ausdrucksweisen: Das Wort klingt und Musik kann erzählen. 2008 erscheint in Kooperation mit dem deutschen Verlag «Steinbach Sprechende Bücher» das Duo-Album Rafik Schami-Günter Baby Sommer «Abbara. Von Damaskus nach Dresden», gefolgt von Urs Widmer-Michael Riessler «Das Buch der Albträume» und Rot Leeb-Xu Fengxia «So stark».

 

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Im Sommer 2009 bezieht Intakt Records im Zürcher Industriequartier Binz neue Räumlichkeiten. Es beginnen die Planungsarbeiten für das 25jährige Jubiläum von Intakt Records. Auch hat Intakt Records von John Zorn das ehrenreiche Kuratorium für ein zweiwöchiges Festival im Yorker Jazzclub Stone (März 2012) zugesprochen erhalten, an dem unter dem Motto «Zürich-Berlin-New York» zahlreiche Intakt MusikerInnen auch aus der Schweiz in der Jazzmetropole präsentiert werden können.

 

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Intakt Verleger Patrik Landolt wird im Sommer 2010 vom Dachverband der Schweizer Kulturschaffenden – von 27 Schweizer Künstlerorganisationen – mit dem Prix Suisseculture ausgezeichnet.

 

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Auch Intakt Records bekommt die Krise des Tonträger-Marktes zu spüren. Zwar hat Intakt Records keinen Verkaufsrückgang zu beklagen. Im Gegenteil: Dank einer Vergrösserung des Repertoirs sind die CD-Verkäufe steigend. Aber die Preise für CDs sind im Sinkflug. Die aktuelle Stärke des Schweizer Frankens hat für die Schweizer Jazz-CD-Produzenten eine existentielle Bedrohung angenommen. Die exportorientierten Jazz-CD-Verlage brauchen dringend finanzielle Hilfe. In einem Brief vom 11. August 2011 an den Bundesrat Didier Burkhalter (Kulturminister) fordern die fünf Schweizer Jazz-Verlage Intakt Records (Zürich), Unit Records (Bern), Hat Hut (Basel), TCB (Montreux) und Altrisuoni (Tessin) Sofortmassnahmen zur Abfederung der aktuellen Situation. Mit diesem Appell, der auch von Swissculture und vom Schweizer Musik Syndikat unterstütz wird, sollen auch die Kantone und Standort-Gemeinden der Jazz-CD-Produzenten angesprochen werden. Ein Treffen mit dem Bundesamt für Kultur bleibt aber ohne Ergebnisse. Das BAK schiebt den Ball an Pro Helvetia. Für Intakt Records wird die finanzielle Situation auch darum bedrohlich, weil die zeitlich begrenzte Unterstützung durch Pro Helvetia ausläuft und die Schweizer Kulturstiftung die Labelförderung in einen CD-Unterstützungswettbewerb umformuliert. Glücklicherweise erkennt der Kanton Zürich die finanziell prekäre Lage. Für jährlich fünf CD-Produktionen mit Zürcher Musikerinnen spricht der Kanton Zürich eine vierjährige Unterstützung.

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Intakt Records unterzeichnet Ende September 2011 mit dem Schweizer CD-Presswerk Adon eine Vereinbarung, welche dem harten Schweizer Franken Regung trägt und eine Preisreduktion – gebunden an den Wechselkurs Schweizer Franken - Euro – für die CD-Fabrikation vereinbart. Dies ermöglicht Intakt Records, die Fabrikation der CD weiterhin in der Schweiz machen zu lassen und nicht nach Deutschland auszulagern. Antizyklisch zu den finanziellen Schwierigkeiten im CD-Geschäft baut Intakt Records aus und schafft eine neue Arbeitsstelle. Anja llmaier, gelernte Buchhändlerin, beginnt mit grossem Elan 2011 bei Intakt Records als Verlagsassistentin und wird bald zu einer tragenden Mitarbeiterin des Verlags.

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Während zwei Wochen gastiert Intakt Records im New Yorker Jazzclub The Stone. Eingeladen von John Zorn, kuratiert Patrik Landolt vom 1. bis zum 15. März 2012 den New Yorker Club. Dem vierzehntägigen Festival mit 26 Konzerten geht eine zweijährige Arbeit voraus. Finanzielle Mittel müssen gefunden werden (die Finanzierung der Flüge und Unterkünfte war lange Zeit nicht gewährt), für die Schweizer MusikerInnen müssen Arbeitsvisen beantragt werden: ein immenser Aufwand, an dem sich neben dem Intakt-Büro um Anja Illmaier und Maggie Steiner auch viele Musiker wie Dieter Ulrich, Pierre Favre, Lucas Niggli und Philipp Schaufelberger beteiligen. Als Trägerschaft für dieses Unternehmen gründet Intakt Records zusammen mit einem Duzend Zürcher MusikerInnen den Verein «Zürich-New York». Die Möglichkeit, während zweier Wochen in der Jazzmetropole New York in einem von der Grösse her überschaubaren Raum jeden Abend zwei Konzerte zu programmieren, ist eine Herausforderung. Die MusikerInnen können in mehreren unterschiedlichen Formationen auftreten. So werden ihre umfassenden Qualitäten sichtbar. Der Schlagzeuger Lucas Niggli spielt zum Beispiel im Duo mit Fred Frith, im Trio mit Elliott Sharp und Melvin Gibbs und im Trio mit Tim Berne und Angelica Sanchez. Irène Schweizer mit tritt mit Pierre Favre auf, im Jörg Wickihalder Quartett und im Duo mit Andrew Cyrille. Sylvie Courvoisier spielt im Trio mit Mark Helias und Tom Reiney, im Courvoisier-Feldman Quartet und im Duo mit Julian Santorins. Es kam zu Begegnungen mit New Yorkern. Der Zürcher Schlagzeuger Dieter Ulrich spielt ein umwerfendes Konzert mit William Parker und Oliver Lake. Die Pianistin Gabriela Friedli trat mit Tony Malaby und Michael Grienet auf. The Stone ist zwei Wochen quasi ausverkauft, das Pressecho immens. Die Journalisten Christian Rentsch und Christoph Wagner, der Photograph Manuel Wagner führen Journal. Und MusikerInnen und Gäste berichten, u.a. Fred Frith, Lucas Niggli, Susanne Spreiter.

 

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Als der Schlagzeuger Günter Baby Sommer an das Sommerfestival in der kleinen Ortschaft Kommeno im Ipiros eingeladen wird, erfährt er vom Bürgermeister Christos Kosmas vom Verbrechen der deutschen Wehrmacht an der Zivilbevölkerung während des 2. Weltkriegs. Am 16. August 1943 ermordeten deutsche Soldaten 317 BewohnerInnen von Kommeno. Zusammen mit vier der bedeutendsten Musikerinnen und Musikern der aktuellen griechischen Jazzszene verfasst Günter Baby Sommer eine Hommage an Kommeno. Die CD «Songs For Kommeno» ist geprägt von der Musik Griechenlands, den Saiteninstrumenten Yayli Tambour, Oud und Bass von Evgenios Voulgaris und Spilios Kastanis, der Klarinette von Floros Floridis, der unverkennbaren Stimme von Savina Yannatou sowie vom Dresdner Perkussionisten Günter Baby Sommer. Intakt Records produziert zur CD ein 156seitiges Buch in deutscher, englischer und griechischer Sprache. Die Uraufführung findet am 16. August in Kommeno statt. Die deutsche Erstaufführung am Jazzfest Berlin 2012.

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Jüngere Jazzmusikerinnen und Musiker finden Eingang im Intakt Katalog. Der Zürcher Saxophonist Christoph Irniger veröffentlicht 2013 seine Trioplatte mit dem Bassisten Raffaele Bossard und dem New Yorker Schlagzeuger Ziv Ravitz und die Luzerner Sängerin Sarah Buechi überzeugt 2014 mit ihrem Quartettalbum mit Stefan Aeby, André Pousaz, Lionel Friedli. Der Berner Schlagzeuger Julian Sartorius legt eine Solo Platte vor. Das Urgestein des Schweizer Akkordeons Hans Hassler produziet sein zweites Album auf Intakt Records.

 

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Intakt Records beginnt im Januar 2014 eine Konzertreihe aus Anlass des dreissigjährigen Jubiläums.

 

(2/2014)