INTAKT RECORDS, seit 1984

Die Geschichte von Intakt Records

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"First Meeting" heisst das erste Stück der ersten Platte von Intakt Records, aufgenommen am 5. Februar 1984 am 1. Taktlos Festival in der Roten Fabrik in Zürich. Ein Duo von Irène Schweizer - George Lewis eröffnet die erste Intakt-Platte «Irène Schweizer Live at Taktlos» (Intakt CD 001). Die Schallplatte erscheint 1986 und wird zu einem kleinen Verkaufserfolg. Ohne internationales Vertriebsnetz gehen gegen 2000 Exemplare weg.

 

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Als Mini-Label, das in den ersten Jahren in Deutschland keinen Vertrieb hat, erhält Intakt Records 1988 den wichtigsten deutschen Schallplattenpreis, den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik, für die Platte von Irène Schweizer, George Lewis, Maggie Nicols, Joëlle Léandre, Günter Baby Sommer mit dem Titel «The Storming of the Winter Palace» (Intakt CD 003).

 

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Am Taktlos 1986 kommt es zur Begegnung des London Jazz Composers Orchestra mit dem amerikanischen Saxofonisten Anthony Braxton. Braxtons Auftragskomposition fürs London Jazz Composers Orchestra erscheint als Doppelalbum bei Intakt Records (Intakt CD 005). Diese Platte positioniert Intakt Records in der internationalen Jazzwelt. Die Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Bassisten Barry Guy, dem Grenzgänger zwischen Barocker Musik und Jazzimprovisation, prägt während vieler Jahre den Katalog von Intakt Records: Elf CD-Veröffentlichungen mit dem London Jazz Composers Orchestra, CDs mit dem Barry Guy New Orchestra, Barry Guy Trio mit Marilyn Crispell und Paul Lytten, Duos mit Evan Parker.

 

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Intakt Records erhält 1990 eine juristische Form als "Verein mit nichtkommerziellem Zweck". Gemäss Statuten "bezweckt der Verein die Dokumentation von improvisierter und komponierter Musik im Bereich des aktuellen Jazz und jazzverwandter Spielarten" – mit Augenmerk auch auf die europäische und Schweizer Jazzszene. Der Verein – und nicht die BetreiberInnen des Labels – verfügt über die von den KünstlerInnen an Intakt Records übertragenen musikalischen Rechte, die von der Schweizerischen Urheberrechtsgesellschaft SUISA verwaltet werden. Im ersten Vereinsvorstand sind die Musikerin Irène Schweizer, der Musiker Lucas Niggli, die Soziologin Rosmarie A. Meier sowie der Journalist Patrik Landolt. Das Label wird in den ersten Jahren ehrenamtlich von Patrik Landolt betrieben.

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Neun Jahre dauert es, bis die fünf Piano-Drums-Duo-CDs von Irène Schweizer mit den Schlagzeugern Louis Moholo, Günter Sommer, Andrew Cyrille, Pierre Favre und Han Bennink aufgenommen sind. Die fünf CDs gehören zu den wichtigsten Aufnahmen von Irène Schweizer.

 

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Im Auftrag der Schweizerischen Verkehrszentrale presst Intakt Records in einer Grossauflage für eine Beilage der Zeitschrift „Schweiz-Suisse-Svizzera-Svizra-Switzerland“ ein vierminutige Single-Platte mit dem Stück „Verspielte Zeiten“ aus dem Duo-Album von Irène Schweizer und Günter Sommer (Schweizer-Sommer). Die Mai-Ausgabe 1989 der Hochglanz-Zeitschrift, die in Hotels, den Schweizer Bahnen und an Sommerfestivals für eine attraktive Schweiz wirbt, fokussiert sich in dieser Nummer auf die Schweizer Jazzszene. Mehrere umfangreiche Beiträge über den Jazz in der Schweiz zeigen, dass es in diesem Land mehr als Alphörner, Jodlerinnen und Opern gibt.

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Der Formatwechsel von der Platte zur CD fällt nicht leicht. Die kleinere CD schränkt Möglichkeiten origineller visueller Präsentation ein. Die erste CD erscheint 1990 und ist eine Studioaufnahme von Barry Guys Komposition «Harmos» (Intakt CD 013) mit dem London Jazz Composers Orchestra. «Harmos» gilt heute als Klassiker der modernen Jazzbigband-Musik. Als zweite CD auf Intakt Records erscheint eine Solo-Aufnahme des Bieler Saxofonisten Hans Koch "Uluru" (Intakt CD 014). Inzwischen sind alle LP's entweder auf CD erschienen oder digital auf dem Intakt-Bandcamp-Shop erhältlich.

 

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1993 Intakt Records kuratiert Intakt Records eine fünftägige Labelpräsentation im Jazzclub Moods. Intakt Records startet im Rahmen dieser Moods-Woche die Aktion «Intakt abonnieren». Das Intakt-Abo mit den regelmässigen Direktverkäufe an die AbonnentInnen wird für Intakt Records zur wichtigsten ökonomischen Stütze.

 

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Die Komposition "Sahara Dust" der englischen Komponistin und Fagottistin Lindsay Cooper ensteht unter dem Eindruck des 1. Golfkrieges und wird 1991 in der Schweiz am Taktlos Festival in Basel, Bern und Zürich uraufgeführt und anschliessend im Radio Studio Zürich für Intakt Records aufgenommen (Intakt CD 029). Den Text dazu schrieb die australische Schriftstellerin und Sängerin Robyn Archer nach einer Idee von Lindsay Cooper. Mit komplexen Kompositionen, Jazzphrasierung, Rockmetren und einer eigenwilligen Instrumentierung erzeugt Lindsay Cooper ihren unverkennbaren Sound. Lindsay Cooper, bekannt durch die beiden feministischen Filmprojekte "The Song of the Shirt" und "The Gold Diggers" (von Sally Potter), für welche sie die Musik schrieb, sowie durch ihre Zusammenarbeit bei Henry Cow, mit Irène Schweizer mit den legendären Konzerten mit The Feminist Improvising Group, zog sich wegen einer schweren Erkrankung vom Live-Geschehen zurück. Sie starb 2013 im Alter von 62 Jahren an der Krankheit. "Sahara Dust" ist ein eindrückliches politisches und musikalisches Statement und eine der letzten Aufnahmen von Linday Cooper.

 

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Wenige Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer beginnt Intakt Records 1994 eine bis heute dauernde Zusammenarbeit mit den vier Jazzgrössen des ostdeutschen Jazz, den Musikern Conrad Bauer, Uli Gumpert, Ernst-Ludwig Petrowsky und Günter Baby Sommer. Schon 1973 tritt unter dem Namen Synopsis am Jazz Jamboree in Warschau eine Band auf, die sich im Laufe der Jahre zu einer der bedeutendsten Bands des europäischen Jazz entwickelt. Unter dem neuen Namen Zentralquartett – als ironische Anspielung auf das Zentralkomitee der DDR – veröffentlichen Ernst-Ludwig Petrowsky, Conrad Bauer, Uli Gumpert und Günter Baby Sommer vier CDs auf Intakt Records. Die 1974 beim Berliner Label FMP erschienene Platte «Auf der Elbe schwimmt ein rosa Krokodil» (Intakt CD 142) ist ebenfalls als CD bei Intakt wieder neu aufgelegt.

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Intakt geht mit dem Zürcher Indie-Label und Vertrieb RecRec eine Partnerschaft ein und beteiligt sich auch finanziell an der Genossenschaft RecRec. Anfang der 80er Jahre gründet ein Team um Daniel Waldner, Veit Staufer und Elisabeth Schuler "Recommended Records", genannt RecRec. Das Label entwickelte sich mit einem kreativen Programm weitgehend mit experiementeller Rockmusik – etwa den Veröffentlichtungen von Sekleton Crew mit Fred Frith, Tom Cora und Zeena Parkins – und baut in Zusamenarbeit mit Chris Cutler von RecRec-London ein Vertriebsnetzwerk auf. RecRec übernimmt die gesamte Vertriebsarbeit für Intakt Records. Nach dem tragischen Tod des RecRec-Gründers Daniel Waldner, der am 3. September 1995 zusammen mit seinem 14 Monate alten Sohn Valentin in den Bergen verunglückt, kommt die RecRec Genossenschaft wirtschaftlich ins Trudeln. Durch den Bankrott der Genossenschaft verliert Intakt die Einlagen der Genossenschafts-Anteilsscheine, kann aber die eigenen Platten und CDs aus dem RecRec-Lager retten. Die Nachfolgefirma RecRec Medien AG vertreibt die Intakt-CDs weitere Jahre bis zur Liquidation von RecRecMedien AG im Jahre 2013.

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Der Konkurs von RecRec zwingt Intakt Records, ein internationales Vertriebsnetz aufzubauen. Erste Beziehungen sind bereits geschaffen. In den USA liefert North Country Distributors die Intakt-Produktionen erfolgreich aus. In Österreich bleibt vom RecRec-Netzwerk der Wiener Vertreib Extraplatte für einige Jahre bestehen, in Frankreich übernimmt Orkhestra, in Spanien Distrijazz, in Italien zuerst International Records Distribution (IRD), dann Goodfellas, in England folgt auf das Londoner Label Cadillac der Vertrieb Shellshock, in Deutschland kann nach längerer Zusammenarbeit mit Records Vertriebsgesellschaft in Wuppertal der Vertrieb Harmonia Mundi gewonnen werden, in Japan die Musikkaufhauskette Disk-Union, in Skandinavien sind es Digelius (Finnland) und Musikklosen (NO), in Benelux geht nach einigen Jahren Zusammenarbeit Codaex Konkurs. Heute werden in den Benelux-Ländern die Intakt-CDs vom Vertrieb Outhere via das europäische Logistikzentrum NGL vertrieben. Auch Naxos-Norwegen, Naxos-Finland und Naxos-Denmark sowie CDM-Polen (nach einigen Jahren Zusammenarbeit mit Gigi und später For Tune) und Griechenland bedienen sich aus dem NGL-Logistikzentrum. Die Geschichte der Vertriebspartner ist ein Spiegel der technologischen und wirtschaftlichen Situation des Musikgeschäfts: im Spannungfeld von idealistischer Liebe zur Musik und knallhartem kapitalischem Gechäft. Auch ein Spiegel der internationalen Handelsbedingungen, der Veränderung von natinalen Zoll- und Postvorordnungen. Intakt lernt, dass das CD-Label auch innige Kenntnisse in Logistik, Zoll und Steuern haben muss.

 

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«Jeder CD ihr eigenes Gesicht», lautet das visuelle Motto von Intakt Records als Gegenposition zu den Vorstellungen von «visuellem Branding» oder «visueller Corporate Identity». Die Musik jeder CD ist so einzigartig, dass ihre Singularität auch bei der visuellen Präsentation ausgedrückt werden soll. Einige hervorragende Grafiker, allesamt ausgewiesene Kenner der Musik, arbeiten regelmässig für Intakt Records: Die ersten Platten und CDs gestaltet Ruedi Wyss, damals Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste sowie Veranstalter des Taktlos Bern und von Ton Art. Viele Jahre prägt der Zürcher Grafiker, Jazzkenner und passionierte Konzertbesucher Eugen Bisig das Erscheinungsbild. Seit 2005 bereichert der typografische Gestalter Jonas Schoder, Mitglied der Zürcher Musikerorganisation OHR, das Intakt-Design. Jonas Schoder gibt dem Label ein visuelles Gesicht. Später stösst auch der in Berlin wohnende Schweizer Grafiker Paul Bieri und die aus Irland stammende Fiona Ryan zu den Intakt-Gestaltern. Viele international bekannte KünstlerInnen steuern Bilder für Intakt-Covers bei. Zu erwähnen ist Pipilotti Rist, die Covers für zwei CDs von Saadet Türköz liefert. Fischli-Weiss gestalten die Produktionen von Stephan Wittwer. A. R. Penck präsentiert die Solo-CD von Günter Sommer. Max Bill und Gottfried Honegger stellen Arbeiten für CDs von Barry Guy zur Verfügung. Rosina Kuhn macht eine ganze Reihe Titelbilder für Les Diaboliques und Irène Schweizer. Weitere Covers stammen von Jörg Lenzlinger-Gerda Steiner, Andrea Alteneder, Eliane Binggeli, Luigi Archetti, Federica Gärtner, Peter Frey, Malene Bach, Christine Reifenberger, Amy Syllman, Christoph Hauri, Katja Mahall, Root Leeb, Heike Liss, Oliver Lake, Han Bennink, Strawalde, Roman Signer, Harald Naegeli, u.a. Der Willisauer Grafiker Niklaus Troxler gestaltet mehrere Covers von Live-Aufnahmen vom Jazzfestival Willisau. 2020 bringt der New Yorker Musiker Tim Berne den Grafiker und Künstler Steve Byram zu Intakt.

 

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Intakt-CDs sind auch Fotogalerien. Die Kunst der Musikfotografie kennt eine lange Geschichte. Die Zürcher Fotografin Francesca Pfeffer prägt mit ihrem Blick die Darstellung vieler MusikerInnen. Aber auch Fotos von Silvia Luckner, Dany Gignoux, Marcel Meier, Dominik Huber, Caroline Forbes, Michel Ettlin, Monica Jane Frisell, John Roger, Caroline Mardok, Palma Fiacco, Dawid Laskowski, Heike Liss prägen die Booklets von Intakt Records

 

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Kann man über Musik schreiben? Die Reflexion über Musik hat hierzulande wenig Tradition. Kaum eine Zeitung hält sich einen professionellen Musikkritiker. Aber ohne regelmässige Verortung, ohne kontinuierliches Innehalten und Nachdenken wird jede Tätigkeit zum Steinerollen des Sisyphus. Intakt Records versucht seit Beginn, die Musik mit ausführlichen Booklet-Texten zu begleiten. Diese sollen dazu anzuregen, Musik anders zu hören oder vielleicht auch besser zu verstehen. In den CD-Booklets finden sich Texte internationaler Grössen wie Bert Noglik (Leipzig), Gary Giddins (New York, «Village Voice»), John Corbett (Chicago, «Downbeat»), Bill Shoemaker ("Point of Departure"), Kevin Whitehead (NPR), Peter Margasak, Stephanie Jones, Richard Williams (London), Kevin LeGendre ("Jazzwise"), Marcus Maida, Christoph Wagner («Jazzthethik», «Jazzpodium»), Christian Broecking («Berliner Zeitung», Maxi Sickert sowie von den Schweizer JournalistInnen Christian Rentsch, Manfred Papst, Peter Rüedi, Frank von Niederhäusern, Nick Liebmann, Meinrad Buholzer, Florian Keller, Pirmin Bossart, Lislot Frei oder von SchriftstellerInnen wie Peter Weber, Ruth Schweikert, Isolde Schaad, Reto Hänny, Michael Wüstefeld, Ilma Rakusa. Die Vermittlungsarbeit von Intakt Records findet auch über den Musikverlag hinaus Gehör. Patrik Landolt wird 2004 vom Jazzfestival Schaffhausen eingeladen, während dreier Jahre ein Diskussionsforum zu kuratieren. Aus dem Experiment entwickeln sich die Schaffhauser Jazzgespräche mit alternierender Leitung. Anja Illmaier kuratiert die Schaffhauser Jazzgespräche 2020-22.

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Der amerikanische Gitarrist Eugene Chadbourne produziert 1992 im Zürcher Radio Studio Solo-Aufnahmen. «Free Improvised Country & Western Bebop» wird seine tief in der amerikanischen Musiktradition verankerte Musik bezeichnet. Als Aufnahmesession für eine CD geplant, entstehen zwei Solo-Alben, die heute zu den Klassiker der Gitarrenmusik zählen und über all die Jahre nachgefragt werden: Eugene Chadbourne "Songs" and "Strings". Die CD-Covers gestaltet das Schweizer Künstler-Duo Fischli-Weiss (Intakt CD 025 + 026).

 

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Der Schlagzeuger Pierre Favre, der 1991 mit Irène Schweizer ein Duo-Album (Intakt CD 010) veröffentlicht hatte, bietet 1997 Intakt Records sein neues Album "Singing Drums" (Intakt CD 047) an. Pierre Favre ist der Klangmaler unter den Jazzschlagzeugern, der die Perkussion in ein klangrhythmisches Universum führt. Ein Dutzend auf Intakt Records veröffentlichter CDs zeigt die Kreativität von Pierre Favre's Schaffen: von den jazzorientierten Duo-Platten mit Irène Schweizer bis hin zu seinen komponierten kammermusikalischen Meisterwerken. 2012 erscheinen Pierre Favre's historisch bedeutenden Solo-Werke aus den siebziger Jahren in einer 3er-Box mit dem Titel «Drums & Dreams» (Intakt CD 197). Während mehreren Jahren feilte Pierre Favre mit drei Schweizer SchlagzeugerInnen der jüngeren Generation am Repertoire für das Album Pierre Favre DrumSights "Now“ (Intakt CD 260): mit Chris Jaeger, Valeria Zangger und Markus Lauterburg. Das Schlagzeug Quartett spielt eine strukturierte und durchkomponierte Musik - auf der Bühne ohne Noten. „Und die komplexesten und riskantesten Teile spielen wir mit einem Lächeln“, ergänzt Pierre Favre.

 

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Der Schlagzeuger Lucas Niggli aus Uster (ZH) und die Lausanner Pianistin Sylvie Courvoisier treffen sich 1999 im Radiostudio DRS für Duo-Aufnahmen: "Lavin" (Intakt CD 058). Aus dieser ersten Begegnung entstehen langjährige Arbeitsbeziehungen von Lucas Niggli und Sylvie Courvoisier mit Intakt Records. Lucas Niggli wird zu einem der wichtigen Musiker bei Intakt Records. Mit seiner Gruppe Zoom spielt er sieben CDs ein: eine feinsinnig-raffinierte neue Jazzmusik: Kompositorische Überlagerungen, komplexe Rhythmen und feindosierte Improvisationen bestimmen das Geschehen. Es folgen Aufnahmen mit seinem Lucas Niggli Drum Quartet (Intakt CD 139), Alben mit Barry Guy und Jacques Demierre "Brainforest" (Intakt CD 107) und mit Elliott Sharp-Melvin Gibbs "Crossing the Waters" (Intakt CD 215), dem Paul Plimley-Barry Guy-Lucas Niggli "Hexentrio" (Intakt CD 206). Neben Experimenten avancierter Musik liebt Niggli das kreative Spiel mit afrikanischen, asiatischen und europäischen Musikformen, etwa mit der Guzheng und Sanxian spielenden Musikerin Xu Fengxia "Black Lotus" (Intakt CD 164). Zwei erfolgreiche Trios präsentieren Niggli im Spannungsfeld von Jazz, Improvisation und aktueller World-Music: Mit Biondini-Godard-Niggli "What Is There What Is Not" (Intakt CD 185) und "Mavi" (Intakt CD 226) sowie im Trio mit dem afrikanischen Balafon- und Kalimba-Spieler Aly Keita und dem Bassklarinettisten Jan Galega Brönnimann mit den beiden Alben "Kalo-Yele" (Intakt CD 261) und "Kalan Teban" (Intakt CD 338).

 

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Am 9. September 2001 fliegt Patrik Landolt nach New York, um mit dem Pianisten Cecil Taylor einen Vertrag für die Veröffentlichung des Live-Mitschnitts des hervorragenden Solo-Konzertes vom Jazzfestival Willisau zu unterzeichnen. Am 10. September findet in Brooklyn das Gespräch mit dem Pianisten und die Vertragsunterzeichnung statt. Für den Morgen des 11. Septembers verabredet sich Patrik Landolt mit dem Gitarristen Elliott Sharp im New Yorker East Village. Die beiden werden Zeugen der Attacke auf das World Trade Center und des Einsturzes der Twin Towers.

 

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Nach mehrjähriger Spielpause findet das Globe Unity Orchestra des Berliner Pianisten Alexander von Schlippenbach 2002 in Aachen zu einem Konzert zusammen. Der Radiomitschnitt ist so gut, dass Intakt Records diesen Neuanfang des Orchesters 2003 auf CD dokumentiert. Zwei Jahre später veröffentlicht Alexander von Schlippenbach zusammen mit Berliner Musikern die 3er-CD-Box «Monk's Casino. The Complete Works of Thelonious Monk» (Intakt CD 100). «Monk's Casino» wird innert Jahresfrist zur bestverkauften CD von Intakt Records. Alexander von Schlippenbach veröffentlicht seit 2003 einige seiner bedeutenden Werke bei Intakt Records. Seine Solo-Alben "Twelve Tone Tales" (Intakt CD 115 + 116) gelten als Meilensteine der europäischen Piano-Musik. Die vier CDs des Schlippenbach Trios mit dem Londoner Saxofonisten Evan Parker und dem deutschen Schlagzeuger Paul Lovens zählen zu den Meisterwerken frei Improvisierter Musik: "Gold Is Where You Find It" (Intakt CD 143), "Bauhaus Dessau" (Intakt CD 183), "Features" (Intakt CD 250) und "Warsaw Concert" (Intakt CD 275). "All Jazz is free", antwortet Schlippenbach auf die Frage, ob er Freejazz spiele.
Alexander von Schlippenbach nimmt auch eine Duo-CD mit seiner Lebenspartnerin, der in Berlin lebenden Pianistin Aki Takase ein: "Iron Wedding" (Intakt CD 160). Mit Aki Takase beginnt eine intensive Zusammenarbeit. Eine Duo-Reihe mit Lauren Newton, Silke Eberhard, Alexander von Schlippenbach, Rudi Mahall, Louis Sclavis und Han Bennink. Es folgen eine Solo-Aufnahme als Hommage an den grossen Jazzpianisten Duke Ellington "My Ellington" (Intakt CD 213) und eine Quartett-Platte mit Sclavis-Pifarély-Courtois "Yokohama" (Intakt CD 165).
Auch jüngere Berliner Jazzmusiker stossen zu Intakt Records: Die Berliner Band "Die Enttäuschung" veröffentlicht vier Alben, u .a. die herausragende CD "Vier Halbe" (Intakt CD 211). Ihre Musik lebt von der Lust am Musizieren, dem Spass am Vexierspiel mit konkretem Material und Klangabstraktion im Spannungsfeld zwischen Perfektion und spontaner Reibung. «Die beste Jazzcombo von heute», lobt die amerikanische Jazzzeitschrift «Downbeat» das Berliner Quartett und schliesst den Artikel mit dem Statement: «No disappointment, at any level».

 

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Die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia anerkennt 2006 und 2009 die Arbeit von Intakt Records mit der Verleihung der Labelprämie. Intakt Records nutzt das Prämiengeld, um Zeit und Energie in die Professionalisierung des Labels sowie den Ausbau des Vertriebsnetzes zu stecken.

 

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Koch-Schütz-Studer spielen 2005 während dreissig Tagen jeden Abend zwei Sets, immer zur selben Zeit, immer am gleichen Ort in der Schlosserei von Walter Nenniger in Zürich. Drei Tüftler spielen und lassen das Publikum sehr nahe daran teilhaben, wie sie Musik erfinden, «das Gestern übers Heute sich mit dem Morgen verbindend, dass gerade deshalb jedes Konzert das beste ist, jeder Abend, jedes Set sich aus dem Nichts entwickelnd anders wird», wie der Schriftsteller Reto Hänny schreibt. Der Filmer Peter Liechti dokumentiert die Konzerte. Sein Film sowie eine auf CD-Länge kondensierte Live-Fassung "Tales from 30 Inintential Nights " (Intakt CD 117) sind bei Intakt Records erhältlich. Insgesamt veröffentlichen Koch-Schütz-Studer sieben CDs bei Intakt.

 

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Die aktive Zürcher Jazzszene findet seit Jahren bei Intakt Recods eine Heimat. Irène Schweizer engagiert sich Mitte der 90er-Jahre verstärkt in der MusikerInnen-Organisation OHR, spielt regelmässig mit der Zürcher Saxofonistin Co Streiff "Twin Lines"(Intakt CD 073), später mit dem Saxofonisten Omri Ziegele "Where Is Africa" (Intakt CD 098) und Jürg Wickihalder "Spring" (Intakt CD 234). Intakt Records veranstaltet in Zürich seit 2003 zusammen mit OHR das Festival unerhört!, um dem Zürcher Jazzschaffen eine international ausstrahlende Bühne zu verschaffen. Das unerhört!-Festival wächst zu einem siebentägigen Festival, das auf mehr als zehn Zürcher Bühnen stattfindet. Das Intakt-Büro wird während mehrerer Monate auch als Festival-Büro benutzt. Die Veranstaltertätigkeit wirkt auch auf den Katalog von Intakt zurück: Zürichs lebendige Jazzszene wird breit dokumentiert: Omri Ziegele Billiger Bauer, Co Streiff Sextett, Objets Trouvés – das Quartett mit Gabriela Friedli, Co Streiff, Jan Schlegel, Dieter Ulrich mit den beiden Alben "This Side Up" (Intakt CD 159) und "Fresh Juice" (Intakt CD 225), Jürg Wickihalder-Chris Wiesendanger Duo, Pierre Favre, Lucas Niggli, Michael Jaeger, Florian Egli, Dave Gisler, Christoph Irniger u.a.
Der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber gibt 2004 bei Intakt Records eine Doppel-CD über die Jazzstadt Zürich in Auftrag. Zusammen mit dem Jazzkritiker der Neuen Zürcher Zeitung Nick Liebmann wählt Patrik Landolt 32 Stücktitel aus. Das Doppelalbum zeigt, wie vielseitig die Jazzstadt Zürich ist.

 

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Irène Schweizer spielt am 8. Oktober 2005 im KKL Luzern ein Solo-Konzert: «Jazz statt Klassik». Die Kooperation von KKL (Elisabeth Dalucas), Intakt Records, RECK Filmproductions und Radio DRS 2 legt den Boden für einen Grosserfolg. Mehr als 1500 BesucherInnen kommen ins KKL. Das Publikum feiert die Pianistin mit stehenden Ovationen. «Die beste Jazzpianistin Europas im besten Konzertsaal der Welt», schreibt «Die Zeit». Das Konzert wird von Radio DRS 2 live übertragen. Eine CD mit dem Titel «Irène Schweizer. First Choice. Concert KKL Luzern» (Intakt CD 108) dokumentiert das Konzert. Vor dem Konzert findet im KKL die Premiere des Filmporträts «Irène Schweizer» von Gitta Gsell statt. Sechs Jahre später, am 11. April 2011, dem Zürcher Sechseläute-Montag, tritt Irène Schweizer solo in der Tonhalle Zürich auf. Ihr Geburtstagskonzert wird zum Zürcher Jazzereignis: Ausverkauftes Haus, immense Medienberichterstattung in der Tagespresse und der Tagesschau des Schweizer Fernsehen. Der Livemitschnitt von SRF 2 Kultur erscheint unter dem Titel «To Whom It May Concern» (Intakt CD 200) als zweihundertste Intakt-CD.

 

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Intakt Records situiert sich in der internationalen Jazzszene. Immer mehr internationale Jazzgrössen bieten Intakt Records eine Zusammenarbeit an. Im Sommer 2009 findet im legendären New Yorker Jazzclub Birdland eine Intakt-Vernissage einer CD mit vier Grössen des amerikanischen Jazz statt: Oliver Lake, Reggie Workman, Andrew Cyrille als Trio 3 mit der Pianistin Geri Allen (Intakt CD 187). Dieser CD folgen zwei Studioaufnahmen des Trio 3 mit den amerikanischen Pianisten Jason Moran (Intakt CD 217) und Vijay Iyer (Intakt CD 233) sowie einer Duo-Aufnahme von Oliver Lake und William Parker (Intakt CD 243).
Die Berliner Pianistin Aki Takase geht mit dem französischen Star-Klarinettisten Louis Sclavis ins Studio (Intakt CD 165). Der Gitarrist Fred Frith beginnt eine Zusammenarbeit mit Intakt Records und veröffentlicht neben mehreren experimentellen Projekten – u. a. zwei CDs mit dem Arte Saxophone Quartett – mit seiner neuen Band Cosa Brava zwei Meisterwerke, die aus dem heutigen Musikkosmos von Songs, Rock, Folk und Improvisation schöpfen. Mit der deutschen Saxofonistin Ingrid Laubrock, die von London nach Brooklyn umgezogen ist, beginnt eine spannende Zusammenarbeit mit Veröffentichungen ihres Trios Sleepthief, ihrem Quintett Antihouse sowie dem Ingrid Laubrock Octet. Weitere Projekte mit MusikerInnen aus der aktuellen Brooklyn Szene folgen: Stephan Crump-Steve Lehman, Stephan Crump-Mary Halvorson, Tom Rainey Trio, Tom Rainey Obligato mit Ralph Alessi u.a.

 

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Der Schriftsteller Rafik Schami initiiert eine kleine Reihe für den Dialog zwischen Wort und Klang, zwei künstlerisch verwandten Ausdrucksweisen: Das Wort klingt und Musik kann erzählen. 2008 erscheint in Kooperation mit dem deutschen Verlag «Steinbach Sprechende Bücher» das Duo-Album Rafik Schami-Günter Baby Sommer «Abbara. Von Damaskus nach Dresden» (Intakt CD 140), gefolgt von Urs Widmer-Michael Riessler «Das Buch der Albträume» (Intakt CD 180) und Rot Leeb-Xu Fengxia «So stark» (Intakt CD 205).

 

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Im Sommer 2009 bezieht Intakt Records im Zürcher Industriequartier Binz neue Räumlichkeiten. Es beginnen die Planungsarbeiten für das 25jährige Jubiläum von Intakt Records. Auch hat Intakt Records von John Zorn das ehrenreiche Kuratorium für ein zweiwöchiges Festival im New Yorker Jazzclub Stone (März 2012) zugesprochen erhalten, an dem unter dem Motto «Zürich-Berlin-New York» zahlreiche Intakt MusikerInnen auch aus der Schweiz in der Jazzmetropole präsentiert werden können.

 

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Intakt Verleger Patrik Landolt wird im Sommer 2010 vom Dachverband der Schweizer Kulturschaffenden – von 27 Schweizer Künstlerorganisationen – mit dem Prix Suisseculture ausgezeichnet. Die Schweizer Schriftstellerin Ruth Schweikert hält die Laudatio.

 

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IIntakt Records stellt im August 2010 Anja Illmaier ein, die gerade ihre Lehre als Buchhändlerin abgeschlossen hat. Anja Illmaier arbeitet sich in kurzer Zeit in die Labelarbeit ein und eignet sich die Welt der aktuellen Jazzmusik an. Sie übernimmt auch Arbeiten fürs unerhört!-Festival.

 

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Als «neue Piano-Ikone» beschreibt Fred Frith die Berner Musikerin Katharina Weber. Die klassisch ausgebildete Pianistin und Komponistin bewegt sich seit gut dreissig Jahren in der grosse Welt der heutigen Musik, in der Grenzen nicht mehr existieren und Neue Musik und Jazzimprovisation verschmelzen. 2008 stellt sich Katharina Weber mit der CD "Woven Time" (Intakt CD 157) als Solo Pianistin vor. Die 15 Improvisationen erzeugen in ihrer farbigen und samtenen Klanglichkeit wunderschöne Stimmungen. Einige Stücke wecken Assoziationen an die Frühromantik, andere an György Kurtág oder Galina Ustvolskaya. Es folgt eine Hommage à György Kurtàg im Trio mit Barry Guy und Balts Nill (Intakt CD 203), später eine Trio-Aufnahme mit Fred Frith und Fredy Studer "It Rolls" (Intakt CD 258).

 

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Die Krise des Tonträger-Marktes macht allen Musikproduzenten und Labels zu schaffen. Zwar hat das Zürcher Label keinen Verkaufsrückgang zu beklagen. Im Gegenteil: Dank einer Vergrösserung und Interntionalisierung des Repertoirs sind die CD-Verkäufe steigend. Aber die Preise für CDs sind im Sinkflug und die Erträge aus den digitalen Verkäufen sind marginal. Dazu kommt der für ein international wirkendes Label unvorteilhaft teure Standort Zürich. Die Stärke des Schweizer Franken hat für die Schweizer Jazz-CD-Produzenten eine existentielle Bedrohung angenommen. Die exportorientierten Jazz-CD-Verlage brauchen dringend finanzielle Hilfe. In einem Brief vom 11. August 2011 an den Bundesrat Didier Burkhalter (Kulturminister) fordern die fünf Schweizer Jazz-Verlage Intakt Records (Zürich), Unit Records (Bern), Hat Hut (Basel), TCB (Montreux) und Altrisuoni (Tessin) Sofortmassnahmen zur Abfederung der aktuellen Situation. Mit diesem Appell, der auch von Swissculture und vom Schweizer Musik Syndikat unterstütz wird, sollen auch die Kantone und Standort-Gemeinden der Jazz-CD-Produzenten angesprochen werden. Ein Treffen mit dem Bundesamt für Kultur bleibt aber ohne Ergebnisse. Das BAK schiebt den Ball an Pro Helvetia. Für Intakt Records wird die finanzielle Situation auch darum bedrohlich, weil die zeitlich begrenzte Unterstützung durch Pro Helvetia ausläuft und die Schweizer Kulturstiftung die Labelförderung in einen CD-Unterstützungswettbewerb umformuliert. Der Kanton Zürich erkennt die finanziell prekäre Lage. Für jährlich fünf CD-Produktionen mit Zürcher Musikerinnen spricht der Kanton Zürich eine vierjährige Unterstützung.
Intakt Records unterzeichnet Ende September 2011 mit dem Schweizer CD-Presswerk Adon eine Vereinbarung, welche dem harten Schweizer Franken Regung trägt und eine Preisreduktion – gebunden an den Wechselkurs Schweizer Franken - Euro – für die CD-Fabrikation vereinbart Dies ermöglicht Intakt Records, die Fabrikation der CD weiterhin in der Schweiz machen zu lassen und nicht nach Deutschland auszulagern.


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Während zwei Wochen gastiert Intakt Records im New Yorker Jazzclub The Stone. Eingeladen von John Zorn, kuratiert Intakt Records vom 1. bis zum 15. März 2012 den New Yorker Club. Dem vierzehntägigen Festival mit 26 Konzerten geht eine zweijährige Arbeit voraus. Finanzielle Mittel müssen gefunden werden (die Finanzierung der Flüge und Unterkünfte war lange Zeit nicht gewährt), für die Schweizer MusikerInnen müssen Arbeitsvisen beantragt werden: ein immenser Aufwand, an dem sich neben dem Intakt-Büro um Anja Illmaier und Maggie Steiner auch viele Musiker wie Dieter Ulrich, Pierre Favre, Lucas Niggli und Philipp Schaufelberger beteiligen. Als Trägerschaft für dieses Unternehmen gründet Intakt Records zusammen mit einem Duzend Zürcher MusikerInnen den Verein «Zürich-New York». Die Möglichkeit, während zweier Wochen in der Jazzmetropole New York in einem von der Grösse her überschaubaren Raum jeden Abend zwei Konzerte zu programmieren, ist eine Herausforderung. Die MusikerInnen können in mehreren unterschiedlichen Formationen auftreten. So werden ihre umfassenden Qualitäten sichtbar. Der Schlagzeuger Lucas Niggli spielt zum Beispiel im Duo mit Fred Frith, im Trio mit Elliott Sharp und Melvin Gibbs und im Trio mit Tim Berne und Angelica Sanchez. Irène Schweizer tritt mit Pierre Favre auf, im Jürg Wickihalder Quartett und im Duo mit Andrew Cyrille. Sylvie Courvoisier spielt im Trio mit Mark Helias und Tom Rainey, im Courvoisier-Feldman Quartet und im Duo mit Julian Sartorius. Es kommt zu Begegnungen mit New Yorker MusikerInnen. Der Zürcher Schlagzeuger Dieter Ulrich spielt ein umwerfendes Konzert mit William Parker und Oliver Lake. Die Pianistin Gabriela Friedli trat mit Tony Malaby und Michael Griener auf. The Stone ist zwei Wochen ausverkauft, das Pressecho immens. Die Journalisten Christian Rentsch und Christoph Wagner, der Photograph Manuel Wagner führen Journal. Und MusikerInnen und Gäste berichten, u.a. Fred Frith und Lucas Niggli oder Ulrich Stock.

 

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Als der Schlagzeuger Günter Baby Sommer 2010 an das Sommerfestival in der kleinen griechischen Ortschaft Kommeno im Ipiros eingeladen wird, erfährt er vom Bürgermeister Christos Kosmas vom Verbrechen der deutschen Wehrmacht an der Zivilbevölkerung in Kommeno während des 2. Weltkriegs. Am 16. August 1943 ermordeten deutsche Soldaten 317 BewohnerInnen. Zusammen mit vier Musikerinnen und Musikern der aktuellen griechischen Jazzszene verfasst Günter Baby Sommer eine Hommage an Kommeno. Die CD «Songs for Kommeno» (Intakt CD 190) ist geprägt von der Musik Griechenlands, den Saiteninstrumenten Yayli Tambour, Oud und Bass von Evgenios Voulgaris und Spilios Kastanis, der Klarinette von Floros Floridis, der unverkennbaren Stimme von Savina Yannatou sowie vom Dresdner Perkussionisten Günter Baby Sommer. Die Aufnahmen entstehen in Berlin in Zusammenarbeit mit Radio Berlin Brandenburg. Intakt Records produziert zur CD ein 156seitiges Buch in deutscher, englischer und griechischer Sprache. Die Uraufführung findet am 16. August 2012 in Kommeno statt, die deutsche Erstaufführung Ende Oktober am Jazzfest Berlin 2012 in Anwesenheit einer Delegation von BewohnerInnen und dem Bürgermeister aus Kommeno.

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Jüngere JazzmusikerInnen finden Eingang im Intakt Katalog. Der Zürcher Saxofonist Christoph Irniger veröffentlicht 2013 seine Trioplatte mit dem Bassisten Raffaele Bossard und dem New Yorker Schlagzeuger Ziv Ravitz. Die Luzerner Sängerin Sarah Buechi überzeugt 2014 mit ihrem Quartettalbum mit Stefan Aeby, André Pousaz und Lionel Friedli. Der Berner Schlagzeuger Julian Sartorius legt eine Solo Platte vor. Das Urgestein des Schweizer Akkordeons Hans Hassler produziet sein zweites Album auf Intakt Records.

 

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Intakt Records beginnt im Januar 2014 in Zürich eine Konzertreihe aus Anlass des dreissigjährigen Jubiläums.

 

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Die Stadt Zürich verleiht jährlich zwei Kunstpreise. Der grosse Kunstpreis geht 2014 an den Theaterregisseur Walter Düggelin. Die Auszeichnung für kulturelle Verdienste erhält der Musikverleger und Musikproduzent Patrik Landolt. In der Medienmitteilung schreibt die Stadt Zürich: «Patrik Landolt setzt sich als Musikverleger und Musikproduzent unermüdlich für die experimentelle Musik und den zeitgenössischen Jazz ein. Er war Gründungsmitglied des Vereins «Fabrikjazz» und der Jazz-Festivals «Taktlos» und «Unerhört!». Mit dem Label Intakt Records veröffentlicht Landolt seit 1986 hauptsächlich zeitgenössische Jazzmusik im Grenzbereich zwischen Improvisation und Komposition. Profitieren können von dieser Arbeit viele Schweizer, aber auch internationale Musikerinnen und Musiker. Landolt ist ein umtriebiger Netzwerker, engagierter Veranstalter, kompetenter Förderer und erfolgreicher Promotor der Zürcher Jazzszene. Der Stadtrat verleiht Patrik Landolt für sein langjähriges Engagement die mit 15 000 Franken dotierte Auszeichnung der Stadt Zürich für allgemeine kulturelle Verdienste.» Die Preisverliehung findet am 14. September 2014 in der Schlosserei Nenniger statt. Es sprechen die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch und der Verleger und Kabarettist Patrick Frey. Es spielen im Duo Omri Ziegele und Dieter Ulrich sowie Irène Schweizer Solo.

 

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Aufnahmen für zwei Duo-CDs mit Fred Frith: Im Studio von Willy Stehler treffen sich im Frühling 2014 die britischen Pioniere Fred Frith und Barry Guy. Barry Guy, der die Entwicklung des modernen, freien Bassspiel wesentlich mitgeprägt hat, ein Grenzgänger zwischen europäischer Freemusic und klassischer Musik und Fred Frith, der Pionier des Independent-Rock. Fred Frith hat zeitglich eine CD mit der dänischen Saxofonistin Lotte Anker in Kopenhagen aufgenommen. Die beiden Aufnahmen erscheinen mit ähnlicher Gestaltung von Heike Liss als CD (Intakt CD 236 + 237).

 

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Im Sommer 2014 treffen sich in Brooklyn im Recording Studio von Peter Karl die beiden Pioniere des freien Jazz der USA, der Saxophonist Oliver Lake und der Bassist William Parker. Es ist die erste Begegnung der beiden im Tonstudio, initiiert von Intakt Records. Parker und Lake widmen das Album dem 2014 verstorbenen Trompeter und Freund Roy Campbell: TO ROY (Intakt CD 243).

 

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Erinnerung an Eric Dolphy. Der Erneuerer des Jazz starb vor 50 Jahren in Berlin aufgrund eines Fehlers eines Berliner Spitals. Am 20. und 21. Juni 2014 finden im Radio Berlin-Brandenburg zwei Hommage-Abende an Eric Dolphy statt – in Kooperation mit Intakt Records, Jazzfest Berlin und unerhört!-Festival Zürich. Unter der künstlerischen Leitung von Alexander von Schlippenbach und Aki Takase spielt ein Large-Ensemble mit Karl Berger (US), Han Bennink (NL), Wilbert de Joode (NL), Antonio Borghini (IT), Tobias Delius (GB), Nils Wogram (CH) und den Berliner Musikern Axel Dörner, Rudolf Mahall, Heinrich Köbberling und Henrik Walsdorff. Alexander von Schlippenbach und Aki Takase arrangierten einige Schlüsselstücke von Eric Dolphy, etwa "The Prophet", "Miss Anne", "Something Sweet, Something Tender", "Out There", "Les", "Out to Lunch", "Hat and Beard" und "Gazzeloni". Die Aufnahmen des rbb erscheinen im Herbst 2014 bei Intakt Records unter dem Titel "So Long Eric! Homage to Eric Dolphy"(Intakt CD 239). Konzerte finden am Jazzfest in Berlin und am unerhört-Festival 2014 statt.

 

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Der Schlagzeuger Lucas Niggli wird am 15. November 2014 von seinem Wohnort Uster mit dem Kunstpreis ausgezeichnet. Lucas Niggli ist nicht nur mit mehr als einem Dutzend CD-Veröffentlichungen bei Intakt Records präsent, sondern er nimmt als Mitglied des Vorstands des Vereins Intakt Records aktiv an den Diskussionen um die Entwicklung von Intakt Recors teil. Wenige Monate vor der Preisverleihung erscheint die Duo-CD von Lucas Niggli mit dem Berner Sänger Andreas Schaerer, eine direkte und intime, impulsiv und opulent klingende Duo-Musik mit den beiden archaischsten Instrumenten der Musik: Stimme und Trommel. "Arcanum" (Intakt CD 232)

 

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Billiger Bauer, das Large Ensemble des Zürcher Saxofonisten und Komponisten Omri Ziegele, feiert am 19. September 2015 in Zürich mit einer Aufführung der "15 Herbstlieder", dem Opus magnum des Ensembles, das 20-jährige Jubiläum und präsentiert die neue, gleichnamige CD (Intakt CD 247). Billiger Bauer ist eine Zürcher Institution, die seit Beginn ihrer Existenz regelmässig in der Zürcher Werkstatt für improvisierte Musik auftritt. Der Leipziger Publizist, Festivalveranstalter und Radiomacher Bert Noglik hält die Laudatio zum Jubiläum.

 

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Barry Guy nimmt nach den grossen Werken für das London Jazz Composers Orchestra und das Barry Guy New Orchestra am 17. und 18. Oktober 2015 in Warschau eine Komposition für ein neues internationales Ensemble auf. Guy's Komposition «The Blue Shroud» ist eine Hommage an Pablo Picasso's Bild «Guernica». Wie das Bild erinnert erinnert Guy's Komposition an die Opfer des Bombardements, aber auch an die Verhüllung der Guernica-Tapisserie im UN-Sicherheitsrats durch ein blaues Tuch, bevor der US-Aussenminister Colin Powell im September 2003 der Welt die Bombardierung und den Einmarsch in den Irak ankündigte. Die Kraft von Picassos «Guernica» versus die Macht des Militärs. Die CD "The Blue Shroud" (Intakt CD 266) erscheint 2016. Im gleichen Jahr findet eine Aufführung im Rahmen des unerhört!-Festivals in Zürich statt. «Dieses Werk ist die Krönung der langen und vielseitigen Karriere von Barry Guy», schrieb die New Yorker Jazzzeitung «The New York City Jazz Record» zum 70-minütigen Orchesterwerk.

 

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Intakt baut aus und handelt antizyklisch: Die Musikwelt ächzt und stöhnt, macht sich Sorgen über Verkaufsrückgänge und Finanzengpässe, Schweizer Vertriebe bauen ab, lagern aus, CD-Läden schliessen. Intakt ist überzeugt, dass eine sorgfältige und nachhaltige Musikproduktion auch in Zukunft notwendig sein wird und dass die MusikerInnen bei der Produktion, Promotion und Distribution professionelle Unterstützung brauchen. Im Januar 2016 beginnt Florian Keller, studierter Germanist und Kunsthistoriker, ein kompetenter Fachmann der Musikwelt, Musikenthusiast und Jazzveranstalter, bei Intakt zu arbeiten. Florian Keller wirkte bereits seit zwei Jahren im unerhört!-Festival-Team. Er arbeitete bei Harmonia Mundi-Musicora Schweiz als Labelmanager von ECM.
Die Vertriebslandschaft ist in Bewegung. Der Intakt-Vertrieb in der Schweiz, Harmonia Mundi-Musicora, wurde im Herbst 2015 vom englischen Vertrieb Pias aufgekauft. In der Schweiz wird Harmonia Mundi-Musicora geschlossen. Um in der Schweiz die verbliebenen CD-Läden schnell zu versorgen, beliefert Intakt Records ab 2016 die CD-Läden in der Schweiz direkt aus dem Intakt-Büro. Das Intakt Büro besteht nun aus Patrik Landolt, Anja Illmaier und Florian Keller. Anja Illmaier feierte im Sommer 2015 das fünfjährige Jubiläum bei Intakt Records. Sie reduziert im Herbst 2015 ihr Pensum, um an der Universität Basel berufsbegleitend das zweijährige Studium "MAS Kulturmanagement" zu absolvieren.

 

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Der New Yorker Schlagzeuger Andrew Cyrille, der seit dem Duo-Album mit Irène Schweizer elf Alben auf Intakt Records veröffentlicht hat, stellt Intakt Records bei einem Konzert in der Jazzgallery New York den kubanisch-amerikanischen Pianisten und Komponisten Aruán Ortiz vor. Im März 2015 nimmt Ortiz mit seinem Trio mit dem Bassisten Eric Revis und Gerald Cleaver im Sear Sound Studio in New York für Intakt Records ein Trio-Album auf: "Hidden Voices" (Intakt CD 258) wird zu einem Markstein des aktuellen Jazz. Dieses erste Album ist der Beginn einer intensiven und inspirierenden Zusammenarbeit. Es folgen eine Live-CD seines Trios, aufgenommen am Zürcher unerhört!-Festival "Live in Zürich" (Intakt CD 301), eine Solo-Platte aus dem Radio Studio Zürich "Cub(an)ism" (Intakt CD 290), eine Duo-Aufnahme mit dem amerikanischen Klarinettisten und Saxofonisten Don Byron "Random Dances and (A)Tonalities" (Intakt CD 309) sowie eine Trio-Platte mit den Schlagzeugern Andrew Cyrille und Mauricio Herrera: "Inside Rhythmic Falls" (Intakt CD 339). Diese Platte verbindet afrikanisch-amerikanische Rhythmen mit der Musikwelt der Karibik. «Rhythmus ist Leben ... der Raum der Zeit, durch den getanzt wird»

 

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Das berührendste Stück der CD des Trio 3 mit Oliver Lake, Reggie Workman, Andrew Cyrill + Vijay Iyer "Wiring" (Intakt CD 233) ist die Komposition "Suite for Trayvon (and Thousands More)" des Pianisten Vijay Iyer. Das Stück ist eine Hommage an Trayvon Martin, der 2012 auf seinem Weg nach Hause erschossen wurde: ein schwarzer unbewaffneter Teenager. Der Täter, George Zimmermann, Sohn eines Deutschen und einer Südamerikanerin, der schon früher mehrmals durch rassistische Sprüche negativ auffiel, wurde von einem amerikanischen Gericht freigesprochen. Das Urteil führte weltweit zu heftigen Protesten. Selbst Barack Obama nahm Stellung: "Trayvon könnte mein Sohn sein".
Am 12. Mai 2016 spielte Vijay Iyer ein Solo-Konzert in Riehen (Off-Beat Festival Basel). Er spielte die "Suite for Trayvon". Vijay Iyer sagte zum Publikum, dass er in einem Land lebe, in dem es nicht nur strafffrei sei, schwarze Teenager zu erschiessen, sondern dass der Todesschütze seine Tatwaffe auch noch zu Geld machen könne. Auf einer Online-Auktion auf "United Gun Group Website" bot George Zimmermann seine Kel-Tex 9-Millimeter, die er nach seinem Freispruch vom Gericht wieder zurückerstattet bekam, dem Meistbietenden an und wünscht "viel Glück". Eine Provokation. Die Auktion musste aber wenige Tage später abgebrochen werden. Sie wurde sabbotiert. Wie die "New York Times" am 13. Mai 2016 berichtet, eröffneten zahlreiche Leute unter gefälschten Namen wie "Racist McShootface" Konten und boten Unsummen, um so den Verkauf zu verunmöglichen (am Schluss war das höchste Angebot bei $65,039,000 – der Bieter war aber spurlos verschwunden).
Vijay Iyer erinnert mit seinem Stück "Suite for Trayvon (and Thousands More)" an den nie enden wollenden Rassismus. Seine Hommage ist aktueller denn je.

 

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Die Pianistin Aki Takase und der Saxofonist/Bass-Klarinettist David Murray gehen im April 2016 in Zürich ins Tonstudio, um für Intakt Records eine Duo-Platte aufzunehmen. Sie nehmen im Klassik Studio von SRF auf, dem legendären Tonstudio, das der Maler Max Bill gebaut und bemalt hat. Vier Kompositionen von Aki Takase, drei von David Murray und ein Thema von Thelonious Monk wurden eingespielt. Wunderschöne Balladen, phantastisch intoniert von David Murray und durch Aki Takase's Improvisationen ideenreich weitergeführt. Die CD erscheint im Januar 2017 unter dem Titel "Cherry - Sakura" (Intakt CD 278). Aki Takase bringt im Rahmen ihrer Duo-Reihe mit David Murray einen der bedeutendsten Jazzmusiker der USA zu Intakt Records.

 

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Irène Schweizer feiert am 2. Juni 2016 ihren 75-sten Geburtstag. Die Pianistin und Mitbegründerin von Intakt Records ist künstlerisch aktiv, kreativ und in bester Stimmung. 36 CDs mit Irène Schweizer sind im Zeitraum von 1984 bis 2016 bei Intakt erschienen. Anfang Mai erschien die autorisierte Biographie "Irène Schweizer - Jazz, Avantgarde, Politik. Dieses unbändige Gefühl der Freiheit", geschrieben von Christian Broecking. Das Jazzfestival Schaffhausen feiert die Pianistin mit einem Programmschwerpunkt.

 

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Die grosse Überraschung am Jazzfestival Willsau 2016 ist der Auftritt vom Trio Heinz Herbert mit Ramon Landolt, Dominic Landolt und Mario Hänni. "Sie legten mit ihrem akustisch-elektronischen Instrumentarium, elaborierten Sound-Landschaften und rhythmisch-dramaturgischen Bögen eine erfrischende Jazz-Ästhetik für die Zukunft," schrieb der Luzerner Jazzkritker Pirmin Bossart. Der Livemitschnitt des Trios Heinz Herbert erscheint im März 2017 auf Intakt Records (Intakt CD 287). Der Beginn einer Zusammenarbeit.

 

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2016 ist ein produktives und erfolgreiches Intakt-Jahr. Zwei Veröffentlichungen wurden mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Die Bestenliste 2/2016 ehrte die Kölner Saxofonistin Angelika Niescier für ihre CD mit Florian Weber:" NYC-Five" (Intakt CD 263). Die Jury schreibt: "Ohne Umwege kann Angelika Niescier mit ihrem Altsaxophon in "The Barn Thing" eine Präsenz erzeugen von der Kraft eines Gravitationsfeldes. Kreative Unruhe prägt ihre Band NYC Five, zu der sie sich mit Weber (Piano) und den New Yorker Musikern Ralph Alessi (Trumpet), Christopher Tordini (Bass) und Tyshawn Sorey (Drums) zusammentat ... NYC Five schaffen es immer wieder neu, eine Fülle von Wendungen, Windungen und Gedanken zu verhaken und zu verbinden. Ein erstaunliches Konzept, ein rares Ereignis."

Die Bestenliste des vierten Quartals zeichnet die CD von Don Cherry, John Tchicai, Irène Schweizer, Léon Francioli, Pierre Favre mit dem Titel "The Musical Monsters" (Intakt CD 269) aus. Die Begründung der Jury: "Als sich John Tchicai, Don Cherry, Irène Schweizer, Léon Francioli und Pierre Favre im Jahr 1980 für ein einmaliges Konzert unter dem Namen "Musical Monsters" beim Willisau-Festival trafen, war nichts geprobt. Zum 75. Geburtstag der Pianistin Irène Schweizer erscheint diese Innenschau des improvisierten Avantgarde-Jazz der achtziger Jahre jetzt zum ersten Mal. Nur ein paar wenige Melodiefragmente geben der Kollektivimprovisation einen Hauch von Struktur. Ansonsten ist ein musikalischer Freiheitsbegriff wirksam, der heute kaum mehr rekonstruierbar zu sein scheint - angesichts jener überbordenden Besessenheit, Selbstverständlichkeit und Naivität, mit der das Neue angegangen wird. Gelingen und Kalkül sind nicht im Blick: eine Musik, der man beim Entstehen zuhören kann."

 

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Intakt Records vergrössert in einem langsamen, stetigen Prozess den ästhetischen Radius sowie die Anzahl der Veröffentlichungen. Diversität und Qualität im zeitgenössischen Musikschaffen im offenen Feld des Jazz sind zwei der wichtigen verlegerischen Kriterien. Die aktuelle Jazzmusik befindet sich seit Jahren in einem Prozess der Ausdifferenzierung. Akustische Spielformen, elektroakustische Musiken, rockorientierte Spielweisen, Einflüsse aus jazzfernen World-Musiken sowie Techniken und Kompositionsformen avancierter Neuer Musik fliessen ebenso ein wie die Pflege und Weiterentwicklung der Jazztradition.
Wie kein anderer verkörpert der in den USA lebende, am Mills-College bei San Francisco und in Basel lehrende britische Gitarrist den neuen Musikertypus: Fred Frith, der Improvisator, Komponist und Multi-Instrumentalist, der lachende Aussenseiter zwischen Rock und Jazz, Improvisation und Komposition, nimmt für Intakt Records radikale, freie Improvistionsmusiken auf, aber auch rockige Gitarren-Trios, Song-orientierte Ensemble-Musik oder avancierte Kompositionen. 2016 erscheint die erste Aufnahme mit seinem neuen Gitarrentrio mit dem Bassisten Jason Hoopes und dem Schlagzeuger Jordan Glenn, beide aus der San Francisco Bay Area. Frith verarbeitet frühe Erfahrungen aus der Rock'n'Roll-Zeit: "Another Day in Fucking Paradise" (Intakt CD 267)

 

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Erweiterung, Innovation und Kontinuität: Auf Anregung von Intakt Records treffen sich im Sommer 2016 drei GitarristInnen des amerikanischen Jazz in New York für eine Intakt-Aufnahme: Elliott Sharp nahm einen Tag mit der Gitarristin Mary Halvorson und einen zweiten Tag mit dem Gitarristen Marc Ribot in seinem Aufnahmestudio in Manhatten auf. Die grosse Kunst der Gitarre, gespielt von drei New Yorker Gitarristen, die neue Wege suchen und den aktuellen Sound der heutigen Zeit kreieren: "Err Guitar" (Intakt CD 281).

Der amerikanische Schlagzeuger Jim Black stösst mit dem Jim Black Trio mit dem Pianisten Elias Stemeseder und dem Bassisten Thomas Morgan "The Instant" (Intakt CD 268) zu Intakt Records sowie mit der Band Malamut "Malamute"(Intakt CD 283) und dem Quartett Human Feel "Gold" (Intakt CD 322).

Der Saxofonist Ellery Eskelin veröffentlicht mit dem Bassisten Christian Weber und dem Schlagzeuger Michael Griener. Das Trio mit dem New Yorker Saxofonisten, dem Berliner Schlagzeuger und dem Zürcher Bassisten spielt auf "Sensations of Tones" freie Musik und traditionellen Jazz. Das Eskelin-Weber-Griener Trio verschmelzt die Stile nicht, sondern wechselt ab und stellt gegenüber. Eine wunderbare Musik, die sich jeder Kategorie entzieht. Auf die erste Platte "Sensations of Tone" (Intakt CD 276) folgt mit "The Pearls" (Intakt CD 331) ein weiteres Trio-Album.

Der Brooklyner Bassist Stephan Crump experimentiert in einer Work-In-Progress-Serie: im Duo mit dem Saxofonisten Steve Lehman "Kaleidoskope & Collage" (Intakt CD 184), im Duo mit der Gitarristin Mary Halvorson "Super Eight" (Intakt CD 216) und "Emerge" (Intakt CD 249), im international gefeierten Asteroida-Trio mit der Pianistin Kris Davis und dem Schlagzeuger Eric McPherson "Asteroidea" (Intakt CD 295) oder im Trio mit der Saxofonistin Ingrid Laubrock und dem Pianisten Cory Smythe: "Planctonic Finales" (Intakt CD 285) und "Channels" ( Intakt CD 319).

Es folgen wunderbare Arbeiten des Chris Speed Trio mit dem Bassisten Christopher Tordini und dem Schlagzeuger Dave King: "Platinum On Tap" (Intakt CD 294), gefolgt vom Album "Respect For Your Toughness" (Intakt CD 336). Eine Musik geprägt von frühen Jazzeinflüssen. Das Chris Speed Trio arbeitet tief im Innern der Jazztradition mit eigenem, faszinierendem Sound.

Der Schlagzeuger Dave King baut für die Veröffentlichung des amerikanischen Kult-Trios Golden Valley Is Now mit Reid Anderson und Craig Taborn eine Brücke zu Intakt. Beim Trio Golden Valley Is Now (Intakt CD 325) stehen mit einer Pop-Sensibilität grundierte, live und ohne Sequenzer gespielte Songs im Zentrum – kredenzt von stupenden Improvisatoren und virtuosen Instrumentalisten, die hier auf die Geste der solistischen Kür und improvisatorischen Furor verzichten.

Der New Yorker Schlagzeuger Tom Rainey legt drei Trio-Alben vor mit der Gitarristin Mary Halvorson und der Saxfonistin Ingrid Laubrock vor: "Camino Cielo Echo" (Intakt CD 199), "Hotel Grief" (Intakt CD 256) und Combobulated (Intakt CD 316). Diese frei improvisierten Trio-CDs stellt er zwei Alben mit der Jazzstandards spielende Gruppe Tom Rainey Obbligato (Intakt CD 227 + Intakt CD 292) mit Kris Davis, Ingrid Laubrock, Ralph Alessi und Drew Gress gegenüber.

 

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Es gibt kein zweites Jazzlabel, dessen Katalog so viele herausragende Jazzmusikerinnen präsentiert, wie Intakt Records. Seit der ersten Aufnahme mit Irène Schweizer, Maggie Nicols, Joëlle Léandre, Lindsay Cooper ist Intakt Records das CD-Label der JazzmusikerInnen und Improvisatorinnen. Rosmarie A. Meier veranstaltet 1987 in der Roten Fabrik in Zürich das Canaille-Festival, ein überaus erfolgreiches Festival, das die aktive Szene von Musikerinnen einem grossen Publikum präsentiert. Eine Dokumentation des Canaille-Festivals erscheint als die zweite Veröffentlichung von Intakt Records, als Intakt Langspielplatte (Intakt 002) und ist neu gemastert als Download auf Bandcamp erhältlich.
Zwei Musikerinnen einer auf die Pionierinnen um Schweizer, Nicols, Léandre folgenden Generation prägen den Intakt Katalog:
Die aus Lausanne stammende New Yorker Pianistin Sylvie Courvoisier, die 1999 mit einer Duo-Platte mit Lucas Niggli eine langjährige Zusammenarbeit mit Intakt Records begann, präsentiert eine wunderbare Pallete mit einer höchst eigenständigen Kompositions- und Improvisationsmusik. Im Mittelpunkt von Courvoisiers Arbeit steht die Zusammenarbeit mit den Violinisten Mark Feldman, sei es im Duo oder in Quartett-Besetzungen. Zu ihrem 50. Geburtstag erscheint die Piano-Trio-CD von Courvoisier "D'Agala" (Intakt CD 300), wohl der grösste Erfolg in ihrer künstlerischen Laufbahn. Die Pianistin wird mit zahlreichen Preisen geehrt, mit dem United States Artists-Award 2020 sowie dem Schweizer Musikpreis. 2020 kuratiert sie in Zürich das Taktlos-Festival.
Die aus Deutschland via London nach Brooklyn emigrierte Saxofonistin Ingrid Laubrock prägt mit einer radikalen Improvisations- und Kompositonsmusik den jüngeren Katalog von Intakt Records. Sie startet mit ihrem Improvisationstrio Sleepthief mit zwei Alben. International gelingt ihr der Durchbruch mit dem Ensemble Ingrid Laubrock Anti-House (Intakt CD 173, Intakt CD 208, Intakt CD 252)). Der Journalist Bert Noglik schreibt zu Anti-House: «Abstraktion und Vergegenständlichung, Punktuelles und Kumulatives, Gelassenes und Drängendes. Die Musik dieses Quintetts lebt von starken Gegensätzen und den Spannungen, die zwischen diesen aufgebaut werden. Das dynamische Spektrum wird weit ausgereizt, und vieles passiert gleichzeitig – Rhythmen, Instrumentalstimmen, die einander ergänzen, voneinander fliehen und sich wieder finden. Der Wille zur Form ist ebenso erkennbar wie die Öffnung des Spielprozesses für das Unkalkulierbare, das Überraschende.» Es folgen die Aufnahmen mit dem Ensemble Serpentines (Intakt CD 272) mit einer New Yorker All-Star-Besetzung. Ihr Saxofonsound und ihre Solos sind in verschiedenen Kontexten zu hören: im Trio und der Band Obbligato von Tom Rainey sowie mit Stephan Crump und Cory Smythe.

 

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Das Intakt-Festival im Londoner Jazz Club Vortex vom 16. bis 27. April 2017 macht den Zürcher Verlag in der englischen Jazzszene bekannt. Zu den bewährten Highlights gehören das Schlippenbach Trio, Schlippenbach plays Monk, Irène Schweizer im Duo mit Louis Moholo Moholo und mit Maggie Nicols, Omri Ziegele Where's Africa mit Schweizer und Moholo Moholo, Ingrid Laubrock Sleepthief, Sarah Buechi Shadow Garden, Christoph Irniger Pilgrim, Stefan Aeby Trio, Aki Takase und Pierre Favre.
Im Rahmen dieses Festivals wird der 70. Geburtstag von Barry Guy gefeiert. Guy spielt im Duo mit Evan Parker, im Duo mit Maya Homburger, im Trio mit Howard Riley und Lucas Niggli.
Intakt-Künstler gehen auch neue künstlerische Kooperationen in London ein. Dazu gehören Trevor Watts und Dieter Ulrich, Omri Ziegele mit John Edwards und Mark Sanders, Steve Beresford und Julian Sartorius, Sylvie Courvoisier und Mark Feldman mit Evan Parker, Sarah Buechi mit Lauren Kinsella, Hannah Marshall und John Edwards.
Das Presseecho ist gross: von der internationalen Fachpressse über die Tageszeitung The Guardian bis zur Financial Times.

 

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Im Mai 2017 erscheint auf Intakt Records die neue Platte von AMOK AMOR (Intakt CD 279) mit Christian Lillinger, Petter Eldh, Wanja Slavin, Peter Evans: der Start zu einer losen Zusammenarbeit mit dem jungen Berliner Schlagzeuger Chistian Lillinger. Ein Jahr später folgt das Trio-Album mir der slovenischen Pianistin Kaja Draksler, dem schwedischen Bassisten Petter Eldh und dem Berliner Schlagzeuger Christian Lillinger "PUNKT VRT.PLASTIK" (Intakt CD 318).

 

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Die Pianistin Geri Allen stirbt am 27. Juni im Alter von 60 Jahren. Auf Intakt Records erinnern zwei Alben (beide mi Trio 3 mit Oivier Lake, Reggie Workman, Andrew Cyrille) an die amerikanische Pianistin: "At This Time" (Intakt CD 162) und "Celebrating Mary Lou Williams. Live at Birdland New York" (Intakt CD 187).

 

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Die Kölner Saxofonistin und Komponistin Angelika Niescier wird 2017 mit dem Albert-Mangelsdorff-Preis (Deutscher Jazzpreis) ausgezeichnet, dem wohl bedeutendsten Jazzpreis von Deutschland. Der Preis wird alle zwei Jahre von der Union Deutscher Jazzmusiker an eine herausragende Persönlichkeit der deutschen Jazzszene verliehen und ist von der GEMA-Stiftung, der GVL, dem Förderungs- und Hilfsfonds des Deutschen Komponistenverbandes und dem Förderkreis Jazz mit 15.000 Euro dotiert. Das Preiskonzert findet im Rahmen des Jazzfest Berlin auf der grossen Festivalbühne des Jazzfest Berlin statt. Angelika Niescher spielt mit dem Bassisten Christopher Tordini und dem Schlagzeuger Tyshawn Sorey. Das Konzert wird zum Höhepunkt des Jazzfests. Radio Berlin-Brandenburg (rbb) zeichnet das Preiskonzert für Intakt Records auf. Das Live-Album erscheint 2018 unter dem Titel "The Berlin Concert" (Intakt CD 305).

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In einigen europäischen Ländern gibt es beim Radio Jazzredakteure, die den Kulturauftrag des Rundfunks ernst nehmen und Aufnahmen mit kreativer Musik ermöglichen. Beim Schweizer Radio ist es der langjährige Redakteur Peter Bürli, der für die Dokumentation des Jazz in der Schweiz eine wichtige Rolle spielt. Das Schweizer Radio ist seit der ersten Platte von Intakt Records (Irène Schweizer Live at Taktlos, 1986) im Bereich der Aufnahme ein wichtiger Partner. Zahlreiche Intakt-CDs mit Schweizer MusikerInnen sind in Zusammenarbeit mit SRF 2 Kultur entstanden. Auch Aufnahmen vom Jazzfestival Willisau oder dem unerhört!-Festival in Zürich mit internationalen Grössen wurden vom SRF 2 Kultur aufgezeichnet. Indem am 4. März 2018 bei einer Volksabstimmung in der Schweiz 71.6% der Stimmberechtigten NEIN zu No-Billag votierten, gab die Schweiz ein starkes Statement für ein öffentlich finanziertes Radio und Fernsehen - auch mit Kulturauftrag!
In Berlin ist es der Jazzredakteur Ulf Drechsel von Radio Berlin-Brandenburg (rbb), der den MusikerInnen und Labels für Aufnahmen zur Seite steht. Rbb zeichnet auch das Jazzfest Berlin auf. Veröffentlichungen von Alexander von Schlippenbach, Aki Takase, Globe Unity Orchestra, Angelika Niescier, Günter Baby Sommer, Silke Eberhard sind in Kooperation mit dem rbb realisiert worden. Beim Südwestfunkt in Baden-Baden entstehen unter dem ehemaligen Jazzredakteur Reinhard Kager Aufnahmen mit George Lewis, Fred Frith, Lucas Niggli, Ingrid Laubrock, Barry Guy New Orchestra, Alexander von Schlippenbach oder das Ensemble Die Enttäuschung. Auch einige Live-Aufnahmen in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Rundfunk (ORF) und dem Polnischen Radio führten zu CDs bei Intakt Records.

 

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Der amerikanische Jazzpianist Cecil Taylor (geb 1929) stirbt am 5. April 2018 in Brooklyn. Bei Intakt Records ist eines seiner schönsten Soloalben "The Willisau Concert" (Intakt CD 072) veröffentlicht.

 

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Anja Illmaier schliesst 2017 ihr berufsbegleitende Studium Kulturmanagement an der Universität Basel mit dem Master ab. 2018 erhöht sie ihr Pensum bei Intakt Records und übernimmt gleichzeitit die administrative Leitung des Taktlos-Festival Zürich.
Der Vorstand des Vereins Intakt Records (Rosmarie A. Meier, Lucas Niggli, Florian Keller, Anja Illmaier und Patrik Landolt) zieht sich im Oktober 2017 für ein langes Wochenende in die Berge zurück, um wichtige Fragen der Label-Arbeit zu diskutieren. Auf der Traktandenliste stehen unter anderem Veränderungen der Musikproduktion und der Distribution (physisch und digital) sowie die Entwicklung des Intakt Teams. Die ausführlichen Gesprächsrunden sind anregend, die Gastfreundschaft im Bergell und dem anliegenden Veltlin grossartig. Das Team steigt gestärkt und voller neuer Ideen vom Berg in die Tiefen des Landes.

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Am 7. April 2018 feiert der Berliner Pianist Alexander von Schlippenbach den 80. Geburststag. Für seine kulturellen Verdienste wird er mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

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Der Standort Zürich schafft Nähe zur aktuellen Musikproduktion in der Schweiz. Aufnahmen und Veröffentlichungen von Schweizer MusikerInnen sind über all die Jahre sichtbar im Katalog präsent. Eine neue MusikerInnen-Generation wird hörbar: Trio Heinz Herbert veröffentlicht die zweite CD "Yes" (Intakt CD 317). Der Pianist Yves Theiler bringt sein Piano-Trio zu Intakt Records mit dem neuen Album "WE" (Intakt CDF 324). Stefan Aeby veröffentlicht mit seinem Trio vom Intakt-Festival aus London den Live-Mitschnitt: "The London Concert" (Intakt CD 315). Zwei Jahre später folgt eine Solo-Aufnahme: Stefan Aeby – Music for Piano, Prepared Piano and Live Electronic (Intakt CD 332). Das Zürcher Quartett District Five legt ihr Debutalbum "Decoy" auf (Intakt CD 308). Dave Gisler präsentiert eine erste Aufnahme mit seinem Gitarren-Trio "Rabbits on the Run". (Intakt CD 304). Christoph Irniger legt auf Intakt Records die dritte Platte mit seiner Band Pilgrim vor, nach der Live-CD eine gepflegte Studio-Aufnahme: "Crosswinds" (Intakt CD 323). Nach den CDs «Flying Letters» (Intakt CD 299) und «Shadow Garden» (Intakt CD 259) und zahlreichen Konzerten – u.a. am Jazzfest Berlin – legt die Sängerin Sarah Buechi mit «Contradiction of Happiness» (Intakt CD 299) ihr drittes Album auf Intakt Records vor. Sie erweitert ihr Quartett mit Stefan Aeby am Klavier, André Pousaz am Bass und Lionel Friedli am Schlagzeug, das seit zehn Jahren besteht, um Estelle Beiner (Geige), Isabelle Gottraux (Viola) und Sara Oswlad (Cello).
Es folgen aber auch Veröffentlichungen bewährter Intakt MusikerInnen: Lucas Niggli zelebriert seinen 50. Geburtstag mit der Solo-CD "Alchemia Garden" (Intakt CD 302). Irène Schweizer's Konzert am unerhört!-Festival mit dem amerikanischen Schlagzeuger Joey Baron erscheint unter dem Titel "Live" (Intakt CD 293). Omri Ziegele setzt seine Arbeit mit der Band "Where's Africa" fort im Trio mit Yves Theiler (Piano) und Dario Sisera (Drums): "Going South" (Intakt CD 284). Die Sängerin Saadet Türköz präsentiert ihre dritte CD auf Intakt Records – im Duo mit dem amerikanischen Gitarristen Elliott Sharp: "Kumuska" (Intakt CD 328).
Die Luzerner Band OM mit Urs Leimgruber, Christy Doran, Bobby Burri, Fredy Studer nimmt nach einer Live-Aufnahme "Willisau" (Intakt CD 170) ein gepflegtes Studioalbum auf: "It's about Time" (Intakt CD 348). Die Band ist Kult. Wegen ihrer Geschichte und aufgrund ihrer Spielpraxis. Eruptiv aus dem Erdenwinkel Luzern in die Welt aufgebrochen, haben die vier Musiker schon zu Beginn scheinbar Unvereinbares mit enormer Vitalität explosiv zusammengemischt: die Energie der Rockmusik mit der Kraft der freien Improvisation. OM brachte die Erfahrungen einer jungen, von Jimi Hendrix elektrisierten, von John Coltrane faszinierten und vom Free Jazz beflügelten Generation auf einen musikalisch sinnvollen Nenner.

 

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Die CD der vier jungen Schweizer PianistInnen vom Kukuruz Quartett mit Aufnahmen des amerikanischen Komponisten Julius Eastman "Piano Interpretations" (Intakt CD 306) erscheint im Juni 2018. Der CD-Begleittext stammt vom Musiker, Komponisten und Buchautor Georg Lewis. Im Sommer 2018 ist das Piano-Quartett mit vier Klavieren in der Schweiz auf Tour und spielt im Jugendgefängnis, im Spital, in einem Brockenhaus, auf dem Gurten, im Tram-Museum, einer Galerie, einer Wagenburg, etc.

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Die CD "Baby's Party" des Dresdner Schlagzeugers Günter Baby Sommer mit dem Berliner Trompeter Till Brönner (Intakt CD 303), aufgenommen zum 75. Geburtstag von Günter Baby Sommer, wird mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet (Bestenliste 4/2018). Die CD setzt die Schlagzeug-Trompeten-Duos von Günter Baby Sommer fort. Bereits 2007 erschien die Duo-Aufnahme mit dem amerikanischen Trompeter Wadada Leo Smith: "Wisdom in Time" (Intakt CD 128).

 

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2018 ist das Jahr der grossen Preise: Irène Schweizer erhält den Zürcher Kunstpreis. Im gleichen Jahr wird sie mit dem grössten Preis der Schweiz, dem Grand Prix Musik 2018 in der Höhe von 100'000 Franken ausgezeichnet. Aki Takase erhält den Jazzpreis Berlin 2018. Die Ehrung ist mit einem Konzert und Studioaufnahmen beim rbb verbunden. Aki Takase nimmt im Rahmen der Preisverleihung ihre Solo-CD "Hokusai – Piano Solo" (Intakt CD 327) auf. Sylvie Courvoisier erhält den Schweizer Musikpreis, sowie den SUISA-Preis und den Foundation for Contemporary Arts Awards 2018. Der Akkordeonist Hans Hassler wird in Zug mit dem Innerschweizer Kulturpreis 2018 geehrt. Die Laudatio für Hans Hassler spricht Patrik Landolt.

 

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Fred Frith veröffentlicht eine monumentale Box mit 3 CDs, ein Meisterwerk der Improvisation, das das breite Spektrum des Musikers dokumentiert. Fred Frith spielte zwischen 2006 und 2016 im New Yorker Jazzclub The Stone, dem einmaligen Kunstraum für experimentelle Musik, achtzig Konzerte mit einigen der kreativsten Musikerinnen und Musikern der aktuellen Szene: Von Laurie Anderson über Pauline Oliveros, Sylvie Courvoisier, Evan Parker bis Nate Wooley. 23 Höhepunkte sind auf der 3er-CD-Box "Fred Frith Live at the Stone. All Is Always Now" versammelt (Intakt 3-CD-Box 320).

 

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Intakt befindet sich in einem stetigen Wandel. Die sich ändernden Marktbedingungen (Preisentwicklung der Tonträger, Preise der Distributoren, der Logistik, Wechselkursentwicklungen), technische Innovationen, Veränderungen des Distributionssystem und der technischen Form der Tonträger, Radikalisierung der Globalisierung, neue Kommunikationstechniken und - formen und – selbstverständlich – die stetige Entwicklung der Musik und der MusikerInnen fordern neue Fragestellungen, Entwicklung der Arbeitsformen und diktieren das Tempo.

 

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Wechsel im Intakt-Büro: 2019 geht die langjährige Buchhalterin Gabrielle Favre, die mehr als 20 Jahre im Auftragsverhältnis die Buchhaltung und Personaladministration professionalisierte, in Pension. Favres Nachfolgerin ist Ruth Buchholz. Georg Bauer, der mit einem kleinen Pensum die IT-Probleme löst und das Team in technischen Fragen berät, verlässt nach mehr als 15 Jahren Intakt. Neu zu Intakt stösst die aus Irland stammende Fiona Ryan. Die weitgereiste Alrounderin, Musikkennerin, ausgebildet in Design, betreut die Website, Reviews-Site, Uploads für den digitalen Vertrieb und Bandcamp sowie Übersetzungen der Newsletter und Neuheiten-Informationen etc. Das Intakt-Team besteht 2020 aus Patrik Landolt, Anja Illmaier, Florian Keller und Fiona Ryan. Das Team, unterstützt vom Vereinsvorstand, organisiert sich auf kooparativer Basis: Lohngleichheit, flache Hierarchien, gemeinsame Entscheide in den zentralen Fragen, Verantwortungsteilung, Förderung der Fähigkeiten, Weiterbildung, gegenseitige Vermittlung von Know-How und Aufteilung der täglichen "Knochenarbeiten" gehören zur Betriebsphilosophie von Intakt Records - dies im Wissen und Vertrauen, dass Kreativität in Organisationen vorwiegend durch Kooperation gekennzeichnet ist.
Der Vereinsvorstand besteht aus der Präsidentin Rosmarie A. Meier, den MusikerInnen Lucas Niggli und Ingrid Laubrock (ein weiterer Vorstandssitz ist noch vakant) sowie den Mitgliedern des Intakt-Teams Patrik Landolt, Anja Illmaier, Florian Keller. Der Vorstand fungiert als Beratungsorgan, vor allem bei Fragen der Ausrichtung und der Organisation des Verlags. Der Vorstand hat die Funktion eines "Sounding-Boards", d.h. das "Büro" kann jederzeit dringende Fragen/Problemstellungen einbringen und eine Stellungnahme des Vorstands wünschen. Der Vorstand hat einen wertvollen Aussenblick und macht auf eventuelle "Blinde Flecken" aufmerksam.

 

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Ingrid Laubrock, auf der Höhe ihres Könnens, ist produktiv. Mit der Veröffentlichung ihrer Kompositionen "Contemporary Chaos Practices" und "Vogelfrei" auf der CD "Contemporary Chaos Practices - Two Works for Orchestra with Soloists Mary Halvorson, Kris Davis, Nate Wooley und Ingrid Laubrock" (Intakt CD 314) legt Laubrock 2018 zwei wegweisende Orchesterwerke vor, die spontane Elemente in streng notierte Vorlagen integrieren und Raum schafft für die herausragenden SolistInnen. Im gleichen Zeitraum startet die Saxofonistin zusammen mit Intakt Records eine Duo-Reihe mit PianistInnen: mit Aki Takase: "Kasumi" (Intakt CD 337) und mit Kris Davis: "Blood Moon" (Intakt CD 345).

 

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Das Intakt-Festival in London schafft nachhaltige Kontakte zur Londoner Jazzszene. Während des Festivals laden der in Oxford lebende Pianist Alexander Hawkins und die Londoner Sängerin Elaine Mitchener Intakt Records als ZuhörerInnen ins Tonstudio, wo sie gerade ihre neue Platte aufnehmen. Die Quartett-Platte mit Neil Charles am Bass und Stephen Davis am Schlagzeug erscheint bei Intakt Records: UpRoot (Intakt CD 297). 2018 nimmt Alexander Hawkins, ein kreatives Epizentrum Englands, in Zürich im Studio von SRF2 Kultur ein Piano Solo-Album auf: "Iron into the Wind" (Intakt CD 330). 2020 folgt eine dritte Aufnahme von Alexander Hawkins mit der Chicagoer Cellistin Tomeka Reid: "Shards and Constellations" (Intakt CD 344).

Vom Londonder Saxofon-Pionier Evan Parker erscheint eine Live-Aufnahme mit dem Trio Evan Parker-Barry Guy und Paul Lytton: "Music for David Mossman – Live at Vortex London (Intakt CD 296), gefolgt vom Quintett Evan Parker-Matthew Wright Trance Map+ (Intakt CD 329) und zum 50 jährigen Jubiläum der Zusammenarbeit von Evan Parker mit dem Schlagzeuger Paul Lytton: Collective Calls (Revisited)(Jubilee) (Intakt CD 343). Evan Parker, der Grandseigneur der europäischen Freemusic, ist auf 26 Intakt-Produktionen zu hören: im Schlippenbach Trio, im London Jazz Composers Orchestra, im Globe Unity Orchestra.

 

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Zum 50. Jubiläum des London Jazz Composers Orchestra produziert Intakt Records 2020 einen Katalog mit allen Veröffentlichungen auf diesem Label. Was 1970 als kollektives Abenteuer begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem eigenständigen Orchester, getragen von Barry Guys Charisma und seiner Gabe, herausragende Musiker um sich zu scharen und deren Individualität in seine kompositorischen Formen zu integrieren. Intakt Records hat viele der grossen Werke von Barry Guy mit dem London Jazz Composers Orchestra produziert sowie die wichtigen frühen Werke neu aufgelegt. Die CD-Sammlung des LJCO birgt einige der bedeutendsten, auch der schönsten und berührendsten Orchesterwerke der heutigen Zeit. Das 50-jährige Jubiläum soll diese musikalischen Schätze erneut ins Scheinwerferlicht rücken: Damit diese Musik, die bereits Generationen von MusikerInnen in ihrer Arbeit beeinflusst hat, weitere HörerInnen beglücken kann.

 

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Vier amerikanische Musiker starten eine Zusammenarbeit mit Intakt Records, was von der internationalen Fachpresse zur Kenntnis genommen wird. Der bekannte Bassist und Komponist Michael Formanek veröffentlicht seine neue Band "Elusion Quartet" mit Kris Davis, Tony Malaby und Ches Smith: "Time Like This" (Intakt CD 313). Es folgt ein Trio-Album mit dem Michael Formanek Very Practical Trio mit der Gitarristin Mary Halvorson und dem Saxophonisten Tim Berne: "Even Better" (Intakt CD 335).

Der Saxofonist Tim Berne, eine der wegweisenden Persönlichkeiten der Brooklyner Jazz-Szene, wechselt mit seiner Band Snakeoil zu Intakt Records und präsentiert das Album "The Fantastic Mrs 10" (Intakt CD 340), wie er selbst sagt, "das beste Album von Snakeoil".

Der in Genf aufgewachsene Saxofonist Ohad Talmor, ein Kosmopolit mit Schweizer-, Französischer- Israelischer und Amerikansicher Staatsbürgerschaft, ist in Brooklyn mit seinem Space "Seeds" ein Zentrum einer aktiven und höchst kreativen Jazzszene. Er präsentiert 2020 seine Band Newsreel Sextet: "Long Forms" (Intakt CD 341).

Der amerikanische Saxofonist James Brandon Lewis vereinbart mit Intakt Records, drei Quartett-Alben für das Label aufzunehmen. Die erste Aufnahme ensteht im Januar 2020 im New Yorker Tonstudio Oktaven Audio, Mt Vernon, mit Chad Taylor am Schlagzeug, Aruan Ortiz am Piano, Brad Jones am Bass: "Molecular" (Intakt CD 350). Bereits im Frühjahr 2020 veröffentlicht Intakt Records den Live-Mitschnitt des Konzertes von James Brandon Lewis und Chad Taylor am Jazzfestival Willisau 2019: "Live in Willisau" (Intakt CD 342).

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Die zweite CD des Jim Black Trio auf Intakt Recods mit dem Pianisten Elias Stemeseder und dem Bassisten Thomas Morgan "Reckon" (Intakt CD 334) wird mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet (Bestenliste 2/2020). Die Jury schreibt: «Das ist die Neuerfindung des Klaviertrios aus dem Geiste des Instant Composing. Störrische HipHop-Rhythmen, klapperndes Schlagwerk, dann wieder metronomische Präzision: Die Trommeln Jim Blacks öffnen Räume der Imagination....»

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Die Lausane-New Yorker Pianistin Sylvie Courvoisier kuratiert das Taktlos Festival 2020. Drei Tage vor dem Corona Lockdown findet in Zürich vom 12. bis 14. März im kleinen Rahmen ein internationales Treffen von MusikerInnen um die Pianistin Sylvie Courvoisier statt. Danach erlöschen die Lichter in den Konzertsälen und Jazzclubs.

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Die Welt der Musik steht wegen des Coronavirus still. CD-Produktion und Distribution sind eng mit dem Konzertleben verknüpft. Wie die Konzertlokale haben im April/Mai/Juni alle CD-Geschäfte und viele internationale CD-Mailorders geschlossen. Selbst Amazon kauft den internationalen Distributoren nichts mehr ab, weil der Onlineversand-Gigant zur Zeit andere Produkte wie Haushaltswaren priorisiert. «Verlage am Abgrund» titelt «Die Zeit» in ihrer Ausgabe vom 26. März 2020. Das trifft nicht nur für Buchverlage zu, sondern auch für die Musiklabels. Die Frühlingsneuheiten sollen aber nicht im Lager liegenbleiben. Die monatelange Arbeit von MusikerInnen und Label darf nicht verpuffen. Im Stillstand der Verkaufsstellen und Konzerte berichten leider auch die Medien kaum mehr über aktuelle Musikproduktionen. Zusätzlich zum Leiden um menschliche Verluste und Opfer nimmt auch die Kultur Schaden, in erster Linie die kulturelle Vielfalt. Qualitätsprodukte, Nischen und Minderheiten, die zur Diversität und zum hohen Niveau unseres kulturellen und gesellschaftlichen Lebens beitragen, sind gefährdet. Die kleinen innovativen Kulturbetriebe, unentbehrlich für eine fortschrittliche und emanzipative Kultur, sind die zarten und bedrohten Pflanzen.

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Die Korrektorin, Lektorin und Übersetzerin Karola Köhler, die seit bald 20 Jahren die CD-Booklets korrigiert und grössere Textarbeiten lektoriert und für die Sorgfalt unserer Drucksachen garantiert, wird mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis geehrt, dir ihr in Berlin am 23. Juni 2020 von der Kulturstaatsministerin Monika Grütters übergeben wird.


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Das Intakt-Team sowie der Vereinsvorstand stimmen mit den vielen Menschen überein, die – auch in der Schweiz – für BLACK LIVES MATTER auf die Strasse gehen. Die Diskriminierungspraxis in den USA und die Polizeigewalt schockieren. Auch in unserer nächsten Umgebung gibt es Rassismus. Als Jazzlabel sieht sich das Intakt-Team als Teil einer Kultur der Diversität. Mit Respekt produzieren und dokumentiert Intakt Records eine Musik, die auf der afrikanisch-amerikanischen Erfahrung baut. Intakt Records setzt sich dafür ein, dass die Stimmen der JazzmusikerInnen gehört werden.
Das Jazzlabel trägt zur Veröffentlichung grosser Musik bei. Der Intakt-Katalog produziert und dokumentiert Werke von Trio 3 mit Oliver Lake, Reggie Workman, Andrew Cyrille, oder Geri Allen, Wadada Leo Smith, Don Cherry, Louis Moholo-Moholo, George Lewis, Elaine Mitchener, James Brandon Lewis, Chad Taylor, Tomeka Reid, Anthony Braxton, Aruán Ortiz, Julius Eastman, Mary Lou Williams, David Murray, Jason Moran, Hamid Drake, William Parker, Gerald Cleaver, Melvin Gibbs, Aly Keïta, u .a.


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Ingrid Laubrock feiert am 24. Sept. 2020 den 50. Geburtstag. Wir gratulieren! Seit 2007 arbeiten Intakt Records und Ingrid Laubrock intensiv zusammen. Gemeinsam haben wir eine spannende Reise durch einige wunderbare Projekte unternommen. Laubrocks 17 Veröffentlichungen auf Intakt Records zeigen eine herausragende Musikerin und eine große Persönlichkeit. Im Sommer 2020 erschien die CD "Blood Moon" (Intakt CD 345), Laubrock lang erwartete Duo-CD mit der Pianistin Kris Davis. Im November erscheint das monumentale Projekt "Dreamt Twice, Twice Dreamt. Music for Chamber Orchestra and Small Ensemble". (Intakt 2-CD 355).


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Der junge Schweizer Gitarrist Dave Gisler hebt ab. Drei Jahre nach dem Debut-Album «Rabbit on the Run» (Intakt CD 304) legt das Dave Gisler Trio ein Live Album vor: Als Gast spielt die amerikanische Trompeterin Jaimie Branch. Das Konzert am unerhört!-Festival 2019 war der gefeierten Höhepunkt, eine "musikalischen Sternstunde" (Kulturtipp). «Die Musik dieses Live-Mitschnitts trifft den Nerv einer Zeit, die von Emotionen und Kontrasten geschüttelt wird», schreibt Pirmin Possart. «Unzimperlich der Gestus, zart und sinnlich das Vibrieren unter der Oberfläche.» Die CD mit dem Titel "Zürich Concert" (Intakt CD 357) wird von der "NZZ am Sonntag" zur Jazzplatte des Jahres 2020 gekürt. – Der Höhenflug von Gisler geht weiter. Zur CD-Vernissage im Jazzclub Moods (wegen des Corona-Konzerlockdowns ohne Publikum, jedoch als Stream mitverfolgbar) stösst am 14. Dezember 2020 der amerikanische Saxophonist David Murray zum Trio. Ein umwerfender Auftritt: energetisch, spannend, befeuernd. Murray's Saxophonspiel fügt sich mit grosser Selbstverstädnlichkeit ein ins Triospiel von Dave Gisler-Raffaele Bossard und Lionel Friedli. Eine weitere "musikalische Sternstunde".


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Wir nutzen die durch Corona bedingte Verlangsamung, um Gedanken über die Zukunft zu machen und an neuen Konzepten zu arbeiten. So ist mittlerweile der ganze Intakt-Katalog auf digitalen Plattformen erhältlich. Auf Bandcamp sind die Intakt-Veröffentlichungen vollständig präsentiert. Intensiv arbeiten wir im Sommer 2020 an der Erneuerung unserer CD-Präsentation. Ab 2021 erscheinen die Intakt-CDs in einer eleganten Karton-Verpackung und nicht mehr in der Jewel-Box. Unser Beitrag an die Umwelt. Wir ersetzen jährlich rund 1'700 (!) kg Plastik durch eine ökologisch vertretbare Papier- und Kartonverpackung. Wir haben diese Verpackung, die in der Herstellung etwas mehr kostet als die im Handel übliche Jewel-Box, zusammen mit unserem CD-Fabrikationspartner Adon Production AG entwickelt. Die Compact Disc befindet sich in einer dreiteiligen Kartonhülle. Neben der Disc steht das Booklet. Wir wollen mit dem Booklet weiterhin informative Texte und Bilder liefern. Die Verpackung hat einen R ücken, fühlt sich in der Hand angenehm an und gibt der Präsentation und Gestaltung mehr Raum.


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Das Duo-Konzert von Ingrid Laubrock und Kris Davis am 7. November 2020 im Rahmen des Jazzfest Berlin 2020, übertragen als Livestream aus Brooklyn, New York, bleibt in unvergesslicher Erinnerung. Eine Meisterleistung künstlerischer Autonomie und Kreativität. Live aus einer USA in einer nie geahnten und kaum vorstellbaren Krise: Pandemie, politische Unruhen, Verheerungen einer politischen Rechten um Donald Trump, die im Sturm auf das Kapitol gipfeln. Einige Minuten vor dem Konzert verkünden die US-Amerikanischen Radiostationen den Wahlsieg von Joe Biden. Die Brooklyner geben ihrer Freude auf einen Wechsel mit einen Höllenlärm auf den Strassen und Plätzen Ausdruck, ein Handyfilm von Tom Rainey erreicht auch unser Büro. Der Freudenlärm von der Strasse ist auch im Konzertsaal im Roulette zu hören. Dann steigen Ingrid Laubrock und Kris Davis auf die Bühne zum Duo-Konzert, das aus Teil des Jazzfest Berlin in Brooklyn in alle Welt gesendet wird.


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Das Solo-Album „Slow Pieces For Aki“ des Berliner Pianisten Alexander von Schlippenbach (Intakt CD 346), aufgenommen in Zürich im November 2019 und veröffentlicht im Oktober 2020, wird mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgzeichnet. „Um diese Musik spielen zu können, bedarf es einer Konzentration auf das Wesentlich, die sich so wohl erst im fortgeschrittenen Lebensalter einstellt. Alexander von Schlippenbach gestaltet einundzwanzig Miniaturen zu einem von ernster Lyrik durchzogenen Klavierzyklus, in dem sich kimpositorisch eIdeen und Impulus aus der Improvisaiton trefflich ergänzen“, schreibt die Jury.


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Konzerte sind wegend er Corona-Pandemie seit mehr als einem Jahr eingeschränkt, Tourneen abgesagt. Die erzwungende Isolation wirft viele Musikerinnen auf ihre eigenste Arbeit zurück. So prägen Solo-Alben die Neuheitenliste von Intakt Records. Im Frühling 2021 erscheinen: Mark Feldman „Sounding Point“ - Violine Solo, Michal Formanek „Imperfect Mesures“ - Bass Solo, Chris Speed „Light Line“ - Clarinet Solo. Ein Kulmination langjähriger Arbeit auf dem eigenen Instrument, eine Reduktion auf den Kern des eigenen Musizierens.

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"Acht schwierige Schritte zur Dekolonisation der Neuen Musik“ (Outernational/Van Verlag, Berlin) heisst der Titel des Essays des Postaunisten, Komponisten und Musikwissenschaftlers George E. Lewis. «Wir wissen, wie Kolonialismus klingt. Was wir jedoch (noch) nicht wissen, ist wie eine dekolonisierte Musiklandschaft aussehen und sich anhören kann", schreibt George Lewis. Die Debatte um den Kolonialismus hat in Europa die Kunstszene und die Feuilletons erreicht. George Lewis Text ist eine höchst aktuelle Anregung für alle FestivalkuratorInnen, Musiklabels, Medien – nicht nur in Bezug auf die Neue Musik sondern auch für die AkteurInnen des europäischen Jazz.


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Winter 2020/2021. Corona! Die dritte Welle. Es nimmt kein Ende. Arbeiten im Aufnahmestudio sind unmöglich. Alle Kontakte per Telefon. Wir arbeiten nur noch begrenzt im Büro. Die Home-Office-Pflicht erschwert unsere Arbeit. In einem kleinen Verlag, bei dem die Information ständig fliesst, wo es keine langen Hierachiewege und Sitzungsmaratone gibt, ist der direkte Kontakt unabdingbar.
Die Vertriebe, vor allem jene, die mit automatisierten Abläufen aufs Massengeschäft setzten, bauen ab. Naxos USA setzt aufs digitale Geschäft und reduziert sukzessive die Leistungen im physischen Vertrieb. Nach zehnjähriger Zusammenarbeit kündigen wir im März 2021 die Zusammenarbeit mit Naxos USA auf. Der Weg führt zum kleiner Brooklyner Vertrieb Virtual Label Group in Brooklyn. Probleme gibt es auch bei Vertrieb in Deuschland: Harmonia Mundi, neue im Besitz von Pias, wechselt das Logistikzentrum von München nach Belgien. Erschwerdend zum Umzug der CDs vom Münchner Logistikzentrum nach Belgien kommt ein Kollaps des Computersystems von Pias aufgrund eines Hackerangriffs. Während dreier Monate ist das neue Logistikzentrum unfähig, unsere Neuheiten in die Läden und Mailorders zu liefern. 
Die kleineren Vertriebe machen es besser. Sogar in den von der Pandemie hart betroffenen Ländern wie England und Italien können sie unsere Verkäufe halten oder gar steigern. Der Weg in die Zukunft führt wohl über kleine, übersichtliche Strukturen.


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In den Downbeat International Critics Poll (Juli 2021) rangiert Intakt Records neben ECM als einziges europäisches Label unter den von amerikanischen Labels wie Blue Note und Pi Recordings dominierten Top Ten. Eine Vielzahl von Intakt-KünstlerInnen sind als herausragende KünstlerInnen aufgeführt.

(Juli 21)