Omni (Intakt CD 457) zeigt das JAMES BRANDON LEWIS QUARTET mit Aruán Ortiz am Piano, Brad Jones am Bass und Chad Taylor an Drums mit genug 'Fire in my Bones' für 'The Sermon', für 'Testify' und um viele mitzureißen, den 'Spirit of the living God' zu verehren. Jenen Geist, den alte Bücher, alte Kulte ausmalen als eine unendliche Kugel, deren Mittelpunkt überall und deren Umfang nirgends ist, als 'omnipotent', 'omniscient' und 'omnipresent'. Lewis zeichnet das nach, das Allmächtige allein und demütig mit weichem Pinsel, das Allwissende mit noch zartem Pizzicato. Als Sohn eines Baptistenpredigers und nun selber Prediger mit dem Saxophon, als Zwölfton-Gospeler im pfingstlichen Kreis. "Jazz is the Teacher, Funk is the Preacher" hieß es einst bei James Blood Ulmer, wobei das Quartet mit seinem inspirierten Feuer über Soul Jazz, Blues und Funk hinausflammt. Feurig genug für immer rasanteren, immer schneller wirbelnden Tanz. Wobei 'Testify' downtempo noch gewichtiger swingt, mit markanten Griffen von Ortiz. 'Call to Worship' ruft und ehrt Blitz und Donner, mit sonorem Bogenstrich, feierlich getragenem Tenorsaxsang, summenden Fingern, über den Texten sinnendem Piano. 'Line Upon Line' entbrennt in rhythmisierter, aufschreiender Begeisterung, dem Himmel nicht schnell genug nah genug. Taylor raddampfert stromaufwärts zur Quelle, an Bord kleinlaut bangende Sünder. Lewis und Ortiz entfalten ihr halbes Leben, als wollten sie dem allwissenden Ohr doch noch einige vertrackte Details erläutern, in denen auf Erden der Teufel steckt. Lewis scheut sich nicht, dem Großen Geist ein Ohr abzukauen und auch Taylor redet sein Wörtchen mit, mit Beats. Doch vorerst zählt doch nur die Zärtlichkeit, die man sich wechselseitig erweist, mit einem Rosenkranz des Pianos, klickenden Cymbals, singendem Pizzicato und einer zartbitteren Melodie von Lewis. [BA 134 rbd]