Mit Fables of Time (Intakt CD 449) präsentiert Intakt ein Trio, das in Zürich bereits mit „What Is There What Is Not“ (2011) und „Mavì“ (2013) seine Durftmarken gesetzt hat. Brauchen LUCIANO BIONDINI: Accordion, MICHEL GODARD: Tuba, Serpent, E-Bass und LUCAS NIGGLI: Drums, Percussion noch eine Vorstellung? Ich denke nicht. Neben Eigenkreationen wie 'I cercatori dell'invisibile', 'Bella madre d'amor', 'Fables of Time' und 'The Golden Jar' von Godard und 'Tempi passati' und 'L'aureola ritrovata' von Biondini spielen sie 'Knives Out' von Radiohead, mit 'Vi ricorda, o boschi ombrosi' ein Godard-Arrangement von Monteverdi als goldener Emminenz dieser Fabeln, 'Lawns' von Carla Bley und 'Dopo il tormento' von Steve Swallow. Und zeigen sich so als Teil einer größeren Gemeinschaft, die durch Respekt, Dank, Bewunderung verbunden ist. Dass sie mit den Vorlagen spielerisch umgehen, versteht sich von selbst. Der erste Eindruck: Versponnene, tagträumerische Melodieseligkeit in goldenem Käfig, Niggli nur ein metallischer Hauch, ein atmosphärisches Grummeln, zu Biondinis 'singendem' Fingerspiel tupft Godard ganz sanft den Bass. Der zweite: Sich selber rasant beschwingende Nostalgie, wie 007 als Lebemann im Ruhestand. Und gleich nochmal, Mamma mia, zartbitter verträumt, mit summenden Lippen, zärtlichen Zungen. Radiohead verzaubern sie, wie nur ein Akkordeon zaubern kann, Niggli dabei mit rockigen Wirbeln zu wieder sanftem Bass. Das Titelstück ist eine fabelhafte Tuba-Show, die das Akkordeon animiert zu seligem Unisono. Ob gefühlsinnig oder steinerweichend als ochsenzungiger Orpheus, die drei sind unwiderstehlich in ihrem mitreißenden Drang und verführerischen Sog. Godard klingt immer, als wüsste er nicht, dass seine Schönheit in ein plumpes Biest verhext wurde. In 'Lawns' sind Wehmut und Seligkeit ununterscheidbar. Und hallen in 'Dopo il tormento', wie es da nach dem ominösen Niggli-Intro traurigkeitsgenüsslich walzt, nicht das nichtsahnende benedico il mio tormento, / dopo 'l duol vie più contento von Orfeo und das von einer grausamen Schönen entflammte 'Si dolce è’l tormento' wider? [BA 132 rbd]
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