Für das Guimarães Jazz Festival 2023 hat der Kontrabassmeister MICHAEL FORMANEK Thumbscrew, sein Trio mit Mary Halvorson an Guitar und Tomas Fujiwara an Drums, in ein Septett vergrößert mit Alexander Hawkins an einer Hammond B3 Organ als Hauptakzent. Und mit einem mit Altosax, Tenorsax und Trompete bestückten Bläserdreizack aus John O’Gallagher, Chet Doxas aus Montreal (erprobt im Drome Trio) und João Almeida als portugiesischem Akzent. New Digs (Intakt CD 451) entstand 2025 ebenfalls in Portugal. Die Bläser geben in geschmeidigem Vorwärts den Ton von 'New Old World' an, dann fächert sich das in kribbelige Gitarre, beschleunigtes Pizzicato, sprudeliges Gebläse, in stürmische Saxerei, Hammondsound, Grummelbass, Trommeldrive, in unkoordiniertes Mosern. Danach drückt Hawkins grummelige Cluster, der Duktus entschleunigt, auch wenn die Bläser aufbegehren, doch erstmal lässt Formanek die Finger singen, Halvorson und Fujiwara müssen sich bremsen, bis wieder die Hammond grummelt. Sie gibt auch dem melodischen und welligen Gesaxe bei 'It Was' ihren dröhnenden Touch, mehr als das Pizzicato. Dann plonken und gluckern Formanek und Hawkins gemeinsam zu getickeltem Tempo und flottem Unisono-Gebläse, Halvorson lässt die Finger sausen, Doxas sticht mit Klarinette aus dem animierten Drive hervor. Mit dem Swing von 'aka the Stinger' und cooler Old-School-Gitarre evozieren sie Johnny "Hammond" Smith. 'Gone Home_Interlude for Susan Alcorn' ist ein Memento für die 2025 verstorbene Pedal-Steel-Gitarristin, mit erst nur gefühlvollem Pizzicato, bevor Hammondklingklang die andern als zarten Chor heranführt, die Trompete ihre Trauerrede anstimmt und die Gitarre in Wallung gerät. 'Braxes' folgt als Ausbund melodischer Bläserlinien, gebündelt oder als strömendes Delta. 'Quinze' – 15? – bringt dann wieder wabernde Orgel und ein launig getüpfeltes Motiv, das die Bläser aufgreifen als Sprungbrett für tenoristische und trompetistische Tiraden, eine von Hawkins getippte und eine von Halvorson prächtig gefurchte und gejaulte, bis Fujiwara hin zur Reprise klopft. 'Nigh Total' eifert zuletzt mit orgeligen Tropfen und sinnierendem Hammondsound zu klapprigem und plonkigem Bass und kurz aufrauschenden Becken. Immer weniger gehen die Neue und die Alte Welt so schön Hand in Hand. [BA 132 rbd]
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