ALEXIS MARCELO und seine Keys, erprobt in Mike Pride's From Bacteria To Boys und bei Adam Rudolph, hängten sich mir ins Ohr mit Sean Noonan auf „Memorable Sticks“ (2016) und „The Aqua Diva“ (2018) sowie in Pavees Dance bei „Tan Man's Hat“ (2019) – die Coverkunst ist also nicht zufällig von Malcolm Mooney. Nun legt der Sohn panamaischer und dominikanischer Eltern als in der Bronx und in Queens mit Salsa, Merengue, Hiphop und evangelikaler Kirchenmusik sozialisierter African Latino und mittlerweile Leader von Sonic Cosmosis sowie Duopartner von James Brandon Lewis mit Solo Piano (Intakt CD 448) sein Debut als Tastenwizard vor. Hinterfüttert ist das mit Yusef Lateefs Autophysiopsychic-Konzept, das ein tiefes Zuhören und die Schaffung musikalischer Ideen betont, die in Harmonie mit der Umgebung und mit sich selbst wurzeln. Der Dekalog umfasst 'Boogieminish Bop', 'Break Bread', 'Have Mercy', '1010 Wins', 'Chroma', 'Dance Around the Sun', 'Drifting', und 'Amargado' [verbittert], dazwischen 'A Saca Camote' des Afroperuaners Caitro Soto und zuletzt 'Eronel' von Idrees Sulieman & Thelonious Monk. Obwohl alles Avancierte längst nur noch als Same Old **** quirlt, stellt Bill Shoemaker in den Linernotes die innovative Klaviermusik des 21. Jh. nochmal als bodenlos und abgehoben hin, um Marcelo damit zu kontrastieren. Egal, die mit seinem Trio Nananom Xu und den Begriffen 'Älsteste' im westafrikanischen Akan und 'Zukunft' im delawarischen Lenape angedeutete Spannweite ist auf jeden Fall beachtlich. So wie er Boogie und Monk auf launige und virtuose Weise zugleich als Erbstücke aus katzengoldenen Zeiten hämmert und dabei dennoch als neumodischer Trickster groovt. Mit rührendem, mit Frömmigkeit vertrautem Feeling beim Brotbrechen und beim betenden, trillernden Rühren an die Tasten. Mit einer Melodie, zu stolz und eigen, um sich als hinterhöfisch (aus America's Backyard) abtun zu lassen. Mit erst umeinandertappenden, dann zielstrebig quicken Tönen. Mit löchriger, sich selber und der Stille lauschender Modernistik. Als springender Drehwurm und Bootstomp um Sonnenflecken. Versonnen und treppab, tänzelnd und arpeggioselig. Dagegen bezaubert 'Amargado' wehmütig und zartbitter perlend mit wie mit Silberhämmerchen gedengeltem Feeling und auf die Spitze getriebenem Pathos, das sich in tanzendem Überschwang ergießt. Grandios! Und auch der Schlusspunkt ist mit dem monkish coolen 'Eronel' ein launiges Tänzchen. [BA 132 rbd]