2025 war ein gutes Jahr für die Leaderin des SYLVIE COURVOISIER TRIOs. Sie erhielt den Schweizer Grand Prix Musik und bestach auf Intakt mit „Angel Falls“ im Duo mit Wadada Leo Smith. Und schon im Februar tourte sie mit Drew Gress: Bass und Kenny Wollesen: Drums & Wollesonics durch die Lande, wobei ihnen im Jazzclub Unterfahrt in München, beim JOE Festival in Essen und beim Festival Sons d’hiver in Ivry-sur-Seine in Paris zu guter Stoff gelang, um das nicht als Éclats – Live in Europe (Intakt CD 452) zu veröffentlichen. Mit taufrischen Versionen von 'Just Twisted', 'Requiem D'un Songe', 'Free Hoops' und 'Lulu's Dance' von „Free Hoops“, 'Éclats For Ornette', 'Imprint Double (For Antoine Courvoisier)' und 'South Side Rules (For John Abercrombie)' von „D'Agala“, dazu das wie mir scheint neue 'Big Steps Towards Silence' und zuletzt 'Downward Dog', ein Courvoisier-Favorit, den sie schon auf „Crop Circles“, „Birdies For Lulu“ und „Crop Circles“ dargeboten hat. So what? Ein seit zwölf Jahren vereintes Piano-Trio, das sich seine Version des totgenudelten Formats als exzeptionell schönredet? Drei virtuose alte Hasen, die sich mit ihrem same old, same old für feinsinniger und dynamischer als andere halten, insbesondere wenn Beifall ihnen Erbsen ans Fenster hagelt? Allerdings muss man schon eingefleischte Aversionen mitbringen, um bei Gressens stramm federndem Fingerspiel, Wollesens Gamssprüngen oder Gepardspurts über Metall und Fell und Courvoisiers launigem Tatzen und Wühlen auf den Tasten und ihren Jumps von einem Ende ans andere oder gar ins Innenklavier nicht die Augenbrauen oder die Mundwinkel hochzuziehen. Der Wechsel von abruptem Zugriff, tobendem Hämmern und krawalligem Einschlag zu hauchzartem Tickeln, von flotter Pace und unbändiger Rasanz zu subtilem Thrill, von quirliger Finesse zu grobem Gepolter, von crashiger Verdichtung zu bewussten Luftlöchern – verblüffend. Ostinates oder träumerisches Kreiseln, Gnomus-Tritt, klirrendes Kristall, Roadrunnersprints und andere Comic-Kariolen, tuckernde Motorik, Präzisionsarbeit mit Hammer und Eispickel, Poesie von Fingerspitzen, plonkig, perlig – erstaunlich. Dann sogar zartbitterer Bogenstrich, die Stöckchen flickern, die Becken flirren, die Melodie findet sich zwischen Schatten und funkelndem Licht, verliert sich vertröpfelnd ins Leise, stellt sich koboldig und drehwurmig wieder ein. Sie hoopsen, wuseln, klappern, knarren kurios umeinander. Sie lassen Lulu als ungreifbaren Erdgeist aus der Büchse der Pandora erscheinen. Und trippeln zuletzt als x-pfotiger Hundepulk um ein Drumsolo rum aus dem Bild. [BA 132 rbd]
http://www.badalchemy.de/