Am 22.8.2022 ist der Drummer Fredy Studer gestorben, kurz vor der Veröffentlichung von „50“ zur Feier der fünf Jahrzehnte mit OM. Für die Jubiläums-Tour sprang Gerry Hemingway ein (und bei zwei Terminen Tony Buck). Und für die alten OMs, Christy Doran an E-Gitarre, Bobby Burri am Kontrabass und Urs Leimgruber an Sopranosax, wurde aus der Notlösung ein neues Kapitel, mit einer Konzertreihe im Dezember 2024, mit Südpol (Intakt CD 455) als Mitschnitt des Auftritts im 'Südpol' in Luzern (und einer bereits für Ende 2026 organisierten OM/SÜDPOL-Live-Zukunft, denn Leimgruber hat mittlerweile eine neue Lunge). Mit 'Fast Line', 'P-M-F/B', 'A Frog Jumps In / Im Unterholz bei Kyjiv' und 'Behind the Eye' aktualisierten die Veteranen mit den beiden Drummern Stoff von „50“. Leimgruber musste dabei gleich an seine Schmerzgrenze gehen, „give me some air!“ Von de profundis bis altissimo und im Absturz in leise, unheimliche Elegie ist der Schmerz über Studers Fehlen mit auf der Bühne. Mit Trauerbass, eskalierender gitarristischer Eeriness und perkussiver Unruhe, die sich zu schriller Sopranistik donnernd und hagelnd steigert. OM is about survival of the spirit – Orpheus-Spirit, Coltrane-Spirit, Studer-Spirit. Mit 'Gamelan' offerierten sie eine neue Kopfgeburt von Doran, die dongend ans Tageslicht dämmert, über die Gitarrensaiten tonleitert und zu tagträumerischem Tamtam helldunkel sopraniert, hin zu tänzerischer Vitalität. 'PMF' bringt infektiöse rhythmische Burri-Reihen, die Gitarre twangt, bebt, klingt durch Devices akkordeonistisch. Das Soprano ist tütütüüü, tirili-iii auch dada da. Und die Drummer dosieren einen dezenten Groove zum spitzen iii, bis sie mit Burris wiederkehrendem Powwow den Kreis schließen. Leimgruber teilt die ukrainische Froschperspektive in kakophonster Atemlosigkeit. Becken rauschen, Saiten flirren, der Bass unkt, Gong dongt, Sound quallt, Urs quä-quäkt. So schält sich allmählich ein Kyjiw'scher Überlebens-Groove heraus, den Bassnoise jedoch vernebelt, zu sopranistischem Mitgefühl und metallischem Klirren. Zuletzt harfen, scharren, ruckeln Doran und Burri Klangwellen, Urs stößt ins Horn. Doch der Konsens zerfällt in stripsodistische Sounds, prickelig, wetzend, crashend. Und fasst wieder Tritt, tutend, gilfend. Cut! Statt Veteranen-Latein avant und fordernd wie eh und je. [BA 134 rbd]