Der Innerschweizer Gitarrist Dave Gisler (*1983) ist ein ungemein kreativer Kopf. Er realisiert eigene Projekte, ist aber auch als Sideman gefragt. Als Grenzgänger zwischen Jazz und Rock ist er in etlichen Formationen aktiv, so in Christoph Irnigers Pilgrim, Mathias Kohlers This Is Pan sowie im Trio Dr. O.G.E. Auch auf dem internationalen Parkett bewegt er sich sicher, wie seine Auftritte mit Größen wie Mark Feldman, Tom Rainey und anderen belegen. Seit 2017 bildet er mit Raffaele Bossard (Bass) und Lionel Friedli (Drums), die er vom Musikstudium kennt, ein Trio, das in den vergangenen Jahren illustre Gäste eingeladen hat: Mit der frühverstorbenen Trompeterin Jamie Branch und dem Saxophon-Koloss David Murray ist es regelrecht über sich hinausgewachsen. Dass es auch ohne Gäste ein Ereignis ist, beweist diese Live-Aufnahme aus dem Lokal Harmonie in Duisburg und dem Schirrhof in Kamp-Lintfort: Das Trio setzt auf Groove und Power, die bluesgetränkten Soli Gislers, der seine Klangpalette mit Effektgeräten intelligent erweitert, sind eine Freude. Fast fühlt man sich an die Art erinnert, wie Jimi Hendrix mit dem Verzerrer umging. Auch Friedli verwendet ein um Instrumente wie die >>Snail<< erweitertes Drumset, das man eher von Rockschlagzeugern kennt. Ohnehin setzt die Band, die hier ausschließlich Kompositionen von Gisler spielt, eher auf binäre Beats als auf Swing. Sie donnert aber nicht mit monotoner Kraft voraus; in den Klanglandschaften wechseln schroffe, felsige Gegenden mit blühenden Wiesen und Feldern. Zur Qualität des Live-Mitschnitts haben sicher auch die günstigen Umstände seines Entstehens beigetragen: Das Trio wurde von Rüdiger Eichholtz, dem Veranstalter der Kulturprojekte Niederrhein, eingeladen und während dieser Zeit auf seinem Hof beherbergt. So entfiel der übliche Tournee-stress, und die Band konnte ausgeruht und motiviert auf die Bühne treten.